Im HSK Unterricht beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte «Die kleine Kaulquappe sucht ihre Mutter» in der Sprache Mandarin.  Die Geschichte handelt von einer kleinen Kaulquappe, die auf der Suche nach ihrer Mutter ist. Die Kaulquappe trifft auf verschiedene Tiere wie Fische, Schildkröten und Frösche und fragt sie, ob sie ihre Mutter sind. Schliesslich findet sie ihre Mutter, die ein Frosch ist, und lernt, dass sie sich auch in einen Frosch verwandeln wird.

Mitarbeit Entwicklung: Yuan Tian
Text:
Milena Bieri
 

Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:

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Lehrplanbereich

Diese Umsetzung wurde im HSK-Unterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK).(1)

Fachliche Kompetenzen

Die Umsetzung bewegt sich im Kompetenzbereich «Sprechen». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
 

  • Die Schülerinnen und Schüler können ihre Sprechmotorik, Artikulation und Stimmführung an-gemessen nutzen. Sie können ihren produktiven Wortschatz und ihre Satzmuster aktivieren, um angemessen flüssig zu sprechen; zunehmend auch in der Standardvariante ihrer Herkunftssprache.

  • Die Schülerinnen und Schüler können sich in monologischen Situationen (Bsp. Referat halten, Gedicht rezitieren, …) angemessen und verständlich ausdrücken.

  • Die Schülerinnen und Schüler können ihr Sprech-, Präsentations- und Gesprächsverhalten reflektieren.

  • Die Schülerinnen und Schüler befassen sich exemplarisch mit Themen zu Natur und Technik und erweitern den betreffenden Wortschatz in ihrer Herkunftssprache (NMG.2: «Tiere, Pflanzen und Lebensräume erkunden und erhalten»).(2)

Umsetzung - Die Kaulquappe sucht ihre Mutter

Vorbereitende Aktivitäten:

Die Geschichte «Die kleine Kaulquappe sucht ihre Mutter» dient als Grundlage für das Theater. Die Kinder lernen die Geschichte kennen und setzen sich vertieft damit auseinander (z.B. Geschichte lesen/hören, Geschichte zusammenfassend aufschreiben…).

Die Schülerinnen und Schüler fassen die Geschichte zusammen. Aufnahme Yuan Tian
Die Schülerinnen und Schüler fassen die Geschichte zusammen. Aufnahme Yuan Tian

Gemeinsam gestaltet die Klasse die Materialien, die für das Theater verwendet werden. Ein Teich mit farbigen Seidentüchern entsteht. Die Kinder basteln aus Karton und Papier die verschiedenen Tiere, die in der Geschichte vorkommen, wie Kaulquappe, Huhn, Ente und Fisch,….

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Materialien für das Theater. Aufnahme Yuan Tian
Materialien für das Theater. Aufnahme Yuan Tian

Hauptteil:

In Kleingruppen werden die Rollen verteilt (z.B. Kaulquappe und andere Tiere). Gemeinsam üben die Gruppen das Theater ein. Ein Kind schlüpft dabei in die Rolle der Erzählerin oder des Erzählers. Um die Geschichte in der richtigen Reihenfolge erzählen zu können, ist der Ablauf der Geschichte in Bildern für alle sichtbar angebracht (Mehr zum Thema Scaffolds finden Sie hier). Die Lehrperson geht in der Klasse umher und unterstützt die Kinder zum Beispiel dabei, die Szenen in der richtigen Reihenfolge zu erzählen und verweist auf die Bilderabfolge.
 

Lehrpersonen und  Kinder erarbeiten gemeinsam Kriterien für das Theater. Nach einer Übungssequenz spielen die Kinder einander das Theater vor. Die Gruppen geben einander Feedback zu folgenden Kriterien:
 

  • Stimmt der Ablauf der Geschichte?

  • Haben die Kinder laut und deutlich gesprochen?

  • Haben die Kinder Requisiten verwendet?

Schluss:

Die Kleingruppen spielen das Theater vor Publikum vor. Im vorliegenden Beispiel hat die HSK-Lehrperson alle Eltern zur Vorstellung eingeladen.

Kinder spielen die Geschichte nach. Aufnahme: Yuan Tian
Kinder spielen die Geschichte nach. Aufnahme: Yuan Tian
Für Regelklassen

In Regelklassen kann das Theater gut mehrsprachig durchgeführt werden. Auch hier ist es wichtig, dass die Kinder den Text und die Handlung der Geschichte schon gut kennen. Der immer wiederkehrende Satz: «Bist du meine Mutter?» sammelt die Klasse in verschiedenen Sprachen und notiert die Begriffe. Auch die verschiedenen Tiere, welche in der Geschichte vorkommen, werden auf verschiedene Sprachen festgehalten.
 

Sind die Kinder mit dem Text und den Schlüsselwörtern der Geschichte gut vertraut, geht es in einem nächsten Schritt darum, die Geschichte in einem Theater mehrsprachig nachzuspielen.
 

Das Kind, welches die Kaulquappe spielt, ersetzt im Theater den immer wieder kehrenden Satz: «Bist du meine Mutter» in einer selbstgewählten Sprache. Auch die Tiere können die Kinder in unterschiedlichen Sprachen aussprechen. Hierzu bietet die Lehrperson Scaffolds an. Der wiederkehrende Satz als auch die Namen der Tiere in unterschiedlichen Sprachen sind für die Kinder gut sichtbar platziert.

Weitere geeignete Bücher

In jeder Geschichte können Schlüsselbegriffe oder Schlüsselsätze in verschiedenen Sprachen formuliert werden. Besonders geeignet sind Märchen und Geschichten mit vielen Wort- oder Satzwiederholungen, wie im beschriebenen Beispiel «Bist du meine Mutter?». Auch ein wiederkehrender Vers (vgl. Idee «Mehrsprachige Bilderbücher» Prinzessin Ardita) oder ein Satz, der für die Pointe in jeder Geschichte vorkommen muss, eignen sich gut. Wichtig ist, dass die Kinder die Geschichte schon gut kennen. Durch die immer wiederkehrenden gleichen Wort- oder Satzwiederholungen verstehen Zuhörer und Zuhörerinnen die Geschichte auch, wenn ihnen unbekannte Sätze oder Wörter vorkommen. Folgende Geschichten enthalten solche wiederkehrenden Begriffe, Verse oder Pointensätze:
 

  • Carle, E. (1994). Die kleine Raupe Nimmersat. Hildesheim: Gerstenberg Verlag.

  • Holzwarth, W. & Strozyk, T., (2015). Mag ich! Gar nicht! Leipzig: Klett Kinderbuch Verlag.

  • Holzwarth, W. & Erlbruch, W. (1989). Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Wuppertal: Peter Hammer Verlag.

  • Hüsler, S., (2001). Prinzessin Ardita. Zürich: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich.


Für ältere Schülerinnen und Schüler, können z.B. Fabeln verwendet werden. Diese sind oft in verschiedenen Sprachen vorhanden und eher kurz. Auf folgender Webseite findet sich eine Sammlung verschiedener Fabeln in verschiedenen Sprachen: https://www.fablereads.com/de/fabeln/die-schildkrote-und-der-hase

Methodisch-didaktische Überlegungen


Scaffolds

In jeder Geschichte können Schlüsselbegriffe oder Schlüsselsätze in verschiedenen Sprachen formuliert werden. Es ist auch gut möglich, dass die Lehrperson vorbereitend eine Auswahl an Sprachen trifft und Scaffolds dazu schon vorbereitet. Als Schlüsselbegriffe nicht nur Nomen auswählen. Gerade Verbindungswörter sind wichtig, um zusammenhängende Texte zu erzählen, z.B. «aber».

Kriterien transparent machen

Die Lehrperson bespricht mit den Kindern, worauf sie beim Theaterspielen achten: Sprechen sie laut und deutlich? Halten sie den Ablauf der Geschichte ein? Verwenden sie Requisiten sinnvoll? Diese Kriterien helfen den Kindern, gezielt zu üben und sich gegenseitig Rückmeldung zu geben. Satzanfänge unterstützen sie dabei, ihre Beobachtungen zu formulieren.
 

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit haben, ihre Rollen mehrmals zu üben und Feedback von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu erhalten. Das fördert die Sicherheit und das Selbstvertrauen.

Kreativität fördern

Das kreative Element des Theaters ist ein besonders lustvolles Format, welches das Interesse und die Motivation der Schülerinnen und Schüler fördert. Motivierend ist es auch je nach Unterrichtsstufe, die Materialien und Requisiten für das Theater zu basteln (Figuren, Fingerpuppen, Masken, Verkleidungen, …). Die Materialien können auch nach der Einheit im Klassenzimmer präsent bleiben, damit sie beispielsweise für das Freispiel zur Verfügung stehen.
 

Um den Redefluss bei der Präsentation möglichst nicht zu unterbrechen, minimiert die Lehrperson Korrekturen und greift bewusst nur dann ein, wenn Kinder beispielsweise blockiert sind.
 

Erfinden Kinder eigene Theaterstücke bringen sie ihre eigenen kreativen Ideen ein. Wichtig ist dabei, dass die Lehrperson diesen Prozess begleitet und Fragen stellt: Wie beginnt die Geschichte? Was passiert in der Mitte? Wie endet sie? Welche Figuren treten auf? Die Kinder sammeln Ideen, erzählen erste Versionen und bringen ihre Gedanken in eine Handlung.

  1. (1) vgl. Bildungsdirektion Kanton Zürich, 2023.

    (2) ebd., S. 13f.

Materialien und Links

Link zum YouTube Video «Die kleine Kaulquappe sucht ihre Mutter»: https://www.youtube.com/watch?v=GbuUjbVuqQw

Verwendete Literatur

Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt. (2023). Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK). Mit Erläuterungen zu den Rahmenbedingungen des Unterrichts. Verfügbar unter: https://hsk-info.ch/images/Dokumente%20zum%20Download/rahmenlehrplan_hsk_de_neu11.pdf  Zugriff am 07. Juli 2025.

Ma, L. (2019). MLP Chinese (Grade 2) (18. Aufl.). 立平继承语教育研究中. http://www.mlpchinese.com

Kontakt

Milena Bieri
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PH Zug
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