Schülerinnen und Schüler erfinden und analysieren eigene Zungenbrecher und setzen sich dabei spielerisch mit sprachlichen Strukturen auseinander.

Mitarbeit Entwicklung: Elvirë Sinani
Text:
Milena Bieri
 

Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:

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Lehrplanbereich

Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)


Fachliche Kompetenzen

Die Umsetzung bewegt sich im Kompetenzbereich «Sprache(n) im Fokus». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
 

D.5.B.1 c: Die Schülerinnen und Schüler können verschiedene Sprachen untersuchen z.B. in Bezug auf Grussformeln, auf politische Bildung, auf geschlechterbewusste Sprache, auf Gesprächsregeln in vergleichbaren Situationen, in Bezug auf Übersetzungsprobleme).

Überfachliche Kompetenzen

In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen in den Bereichen «Dialog- und Kooperationsfähigkeit: Sich mit Menschen austauschen, zusammenarbeiten», «Selbstreflexion: Eigene Ressourcen kennen und nutzen» sowie «Informationen nutzen: Informationen suchen, bewerten, aufbereiten und präsentieren» arbeiten.

Umsetzung

Vorbereitende Aktivitäten

Diese Unterrichtssequenz ist Teil einer Unterrichtseinheit zum Thema «Zungenbrecher». Wie Sie zum Thema Zungenbrecher mehrsprachig einsteigen können, finden Sie hier.

Stabreime. Stabreime sind ein literarisches Stilmittel, bei dem die betonten Wörter eines Satzes oder Verses mit demselben Laut (Phonem) beginnen.

Analyse von Stabreimen

Zu Beginn analysieren die Kinder vorgegebene Stabreime, um deren Aufbau zu verstehen. In Gruppen lesen sie Zungenbrecher in drei verschiedenen Sprachen und vergleichen diese:
 

1.       Versucht die Zungenbrecher in den drei Sprachen zu lesen.

2.       Markiert Nomen, Verben und Adjektive mit der richtigen Farbe in den deutschsprachigen Sätzen.

3.       Was fällt euch auf, wenn ihr die verschiedenen Sprachen vergleicht?

  • Sind die Nomen, Verben oder Adjektive immer an derselben Stelle?

  • Sind Nomen, Verben und Adjektive gleich wie im deutschen Satz?

  • Was fällt euch sonst noch auf?

Analyse von Zungenbrecher. Material von Elvirë Sinani
Analyse von Zungenbrecher. Material von Elvirë Sinani

Beobachtungen der Kinder in der Klasse:

«Bei Albanisch klingt das Wort «Balonat» fast gleich wie bei Deutsch».

«Warum fehlt das Adjektiv beim albanischen Zungenbrecher?»

«Beim portugiesischen Zungenbrecher sind alle Buchstaben gleich wie im deutschen Alphabet.»

«Es steht Ratos aber man spricht Ratosch aus. Gibt es eine Regel?»

«Beim albanischen weiss man genau, wann man s oder sh sagt.»

«Im polnischen sind Adjektive wie im Deutschen vor dem Nomen. Im Albanischen ist es umgekehrt.»

Hauptteil- Eigene Zungenbrecher erfinden

Im nächsten Schritt erfinden die Schülerinnen und Schüler eigene Zungenbrecher. Unterstützt werden sie durch vorbereitete Wortlisten. Gemeinsam entsteht im Plenum ein erster Stabreim Die Lehrperson modelliert dabei den Denkprozess. Anschliessend arbeiten die Kinder in Kleingruppen und entwickeln eigene Zungenbrecher.

Selbst erfundene Stabreime. Kinder der Klasse von Elvirë Sinani
Selbst erfundene Stabreime. Kinder der Klasse von Elvirë Sinani

Schluss

Sobald eine Gruppe zwei Zungenbrecher erfunden hat, trifft sie sich mit einer anderen Gruppe im Kreis. In Vierergruppen (Lerntempoduett) analysieren die Kinder die Satzstruktur ihrer Zungenbrecher – wie zuvor eingeübt – und präsentieren ihre Erkenntnisse später im Plenum.

Methodisch-didaktische Überlegungen


Scaffolds

Das Erfinden von Zungenbrechern ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Sorgfältig vorbereitete Materialien – insbesondere Wortlisten in verschiedenen Sprachen – unterstützen die Schülerinnen und Schüler bei der Umsetzung.

Während einige Gruppen mit vorgegebenen Wortlisten arbeiten, können fortgeschrittene Lernende eigene Wortlisten entwickeln oder Zungenbrecher in einer weiteren Sprache mit Hilfe von digitalen Medien erfinden.

Kooperative Lernformen fördern

Durch die Arbeit in Kleingruppen wird nicht nur die Kreativität, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler gestärkt. Kooperative Lernformen wie Lerntempoduette können den Austausch über sprachliche Strukturen fördern und zur Reflexion über Sprache anregen. In diesem Beispiel arbeiten die Schülerinnen und Schüler zunächst in Zweierteams. Zwei Zweierteams mit ähnlicher Arbeitsgeschwindigkeit schliessen sich anschliessend zu einem Lerntempoduett zusammen, um ihre Ergebnisse zu vergleichen und zu besprechen. Die Arbeitsform ist der Klasse gut bekannt und bedarf keiner weiteren Erklärung.

Sozialer Zugehörigkeit Beachtung schenken

Führen Lehrpersonen mehrsprachige Sprechanlässe durch, bedeutet dies eine Wertschätzung der mehrsprachigen Ressourcen ihrer Schülerinnen und Schüler. Viele Kinder freuen sich darüber, wenn all ihre sprachlichen Ressourcen im Unterricht gefragt sind. Es gibt aber auch Kinder, die sich unwohl fühlen, wenn sie eine andere Sprache als Deutsch in den Unterricht einbringen sollen. Mehr zum Thema «Othering» finden Sie hier.

Kinder als Expertinnen und Experten einer Sprache

 Es kann sein, dass Kinder gerne die Rolle der Sprachexpertin oder des Sprachexperten einnehmen und die anderen Kinder bei der Aussprache unterstützen. Dabei ist es wichtig, dass Lehrpersonen sich bewusst sind: Nicht alle Kinder möchten oder können diese Rolle übernehmen.  

Die Lehrperson als Vorbild

Lehrpersonen können ihre eigene Mehrsprachigkeit nutzen, um Zungenbrecher in ihrer Erstsprache vorzubereiten. Für die Kinder kann es ebenso spannend sein, mitzuerleben, wie die Lehrperson versucht, einen Zungenbrecher in einer ihr unbekannten Sprache zu erlernen. Gerade in solchen Momenten ist sie ein wichtiges Vorbild: Neue Sprachen auszuprobieren, macht Freude - und Fehler der Lehrpersonen zeigen, dass auch sie noch lernt.
 

Die Lehrperson dient auch als Modell, indem sie die Arbeitsschritte für das Erfinden eines Zungenbrechers modelliert. Sie spricht die Denkprozesse laut aus und zeigt auf, wie sie die Wortliste nutzt, um einen Zungenbrecher zu bilden.

  1. (1) vgl. D-EDK, 2016.

Verwendete Literatur

D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.

Kontakt

Milena Bieri
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PH Zug
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