Zu einem NMG-Thema erarbeiten die Schülerinnen und Schüler wichtige Fachbegriffe und Formulierungen. Damit beschreiben sie ein bestimmtes Phänomen. In einem zweiten Schritt integrieren sie Fachbegriffe und Formulierungen mehrsprachig. Zudem spielen sie das beschriebene Phänomen mit Hilfe von Requisiten nach.
Mitarbeit Entwicklung: Sadiye Bircher, Stina Rundblom
Text: Dominique Braun
Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:


Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
Fachliche Kompetenzen
Diese Umsetzung bewegt sich in den Kompetenzbereichen «NMG – Tiere, Pflanzen und Lebensräume erkunden und erhalten» und «Deutsch – Sprachen im Fokus». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
D.5.C.1.b: Die Schülerinnen und Schüler können Erfahrungen sammeln mit: Wort- und Satzbau (z.B. Wortgrenzen und Anzahl Wörter in einem Satz bestimmen); unterschiedlichen Lautstrukturen der verschiedenen Sprachen in der Klasse (Satzmelodie); unterschiedlichen Schriftsystemen (z.B. Bilderschrift).
D.5.C.1.d: Die Schülerinnen und Schüler können Lautung, Wort- und Satzbau in verschiedenen Sprachen (der Klasse) vergleichen (z.B. unterschiedliche Laute, Wortübersetzung, unterschiedliche Wortstellung).
NMG.2.3.b: Die Schülerinnen und Schüler können Wachstum und Entwicklung bei Pflanzen und Tieren beobachten, zeichnen und beschreiben.
Überfachliche Kompetenzen
In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den methodischen Kompetenzen im Bereich «Sprachfähigkeit: Ein breites Repertoire sprachlicher Ausdrucksformen entwickeln» arbeiten.
Diese mehrsprachige Sequenz eignet sich, um Phänomene in NMG zu beschreiben. Im vorliegenden Beispiel arbeitet die Klasse am Thema «Entwicklung, Keimlinge, Samen und Tiere». (2) Damit die Schülerinnen und Schüler die Entwicklung eines Frühblühers am Ende der Sequenz beschreiben können (vgl. Kompetenz weiter oben), orientieren sich die Lehrpersonen am Text aus dem Themenbuch.(3) Sie schreiben einen eigenen Text, der die wichtigsten Fachbegriffe und Formulierungen enthält (vgl. Materialien und Links). Die Lehrpersonen bauen den Fachwortschatz und die zugehörigen Formulierungen mit den Schülerinnen und Schülern während längerer Zeit auf. Dazu gehören auch Übungsphasen, um die Begriffe und Formulierungen zu verinnerlichen. Schliesslich schreiben die Kinder selbst einen Text, in den sie möglichst viele Fachbegriffe einbauen. Damit dies gelingt, erhalten die Schülerinnen und Schüler zusätzlich ein Scaffold mit der Struktur des Textes und wichtigen Formulierungen (vgl. Geschichten mehrsprachig erzählen und spielen sowie Berichte verfassen).
Um die bildungssprachlichen Kompetenzen auch in den Erstsprachen zu fördern und um Erfahrungen mit verschiedenen Sprachen zu machen, bieten die Lehrpersonen wichtige Fachbegriffe in allen Klassensprachen an, beispielsweise Frühblüher, Blumenzwiebel, überwintern, Stängel, Blätter, Blüten, wachsen, in die Tiefe, nach oben, bestäuben, Insekten.
Die Klasse vergleicht die Fachbegriffe oder einzelne davon in den verschiedenen Sprachen. Dazu wählen die Lehrpersonen zuerst einen Begriff aus. Die Schülerinnen und Schüler suchen nach gleichen Anlauten oder Wortstämmen. Wer möchte, liest die Begriffe in einer der Sprachen vor.
Für weitere Sprachvergleiche gibt es mehrere Möglichkeiten:
Die Schülerinnen und Schüler vergleichen in Gruppen einen weiteren Begriff in verschiedenen Sprachen. Die Erkenntnisse besprechen sie danach im Plenum.
Die Lehrpersonen stellen der Klasse mehrere Begriffe in unterschiedlichen Sprachen zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler ordnen die Begriffe nach Sprachen und erläutern, weshalb die ausgewählten Begriffe zu einer bestimmten Sprache gehören. Oder sie ordnen jedem Fachbegriff die einzelnen Begriffe in den verschiedenen Sprachen zu. Danach können sie wiederum Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen.
Im Anschluss an die Sprachvergleiche nehmen die Lehrpersonen den oben bearbeiteten Text nochmals auf. Sie erläutern die Entwicklung der Blütenzwiebel und spielen den Schülerinnen und Schülern die Entwicklung mit Hilfe verschiedener Requisiten vor. Dabei verwenden sie die Fachbegriffe in einer anderen Sprache als Deutsch, im vorliegenden Beispiel Türkisch und Schwedisch.
In Gruppen üben die Kinder, ihre selbstgeschriebenen Texte (siehe oben) vorzutragen und zu spielen. Wer möchte, kann die Fachbegriffe in verschiedenen Sprachen einfliessen lassen. Einige Kinder formulieren gleich ganze Sätze in einer anderen Sprache als Deutsch (vgl. auch Varianten weiter unten).
Das Vorgehen eignet sich für viele Themen aus dem Fachbereich NMG. Bei älteren Schülerinnen und Schülern lassen Lehrpersonen das Spiel mit den Requisiten weg. Stattdessen erläutern die Schülerinnen und Schüler die Prozesse anhand von Zeichnungen oder schematischen Darstellungen.
Als Abschluss tragen die Gruppen ihre eingeübten Texte vor.


Um die bildungssprachlichen Kompetenzen zu fördern, ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler nicht hauptsächlich Verben und Nomen in den Erstsprachen üben, sondern dass sie z.B. auch Adverbien und Konjunktionen produktiv anwenden können. Nur so ist es möglich, einen komplexen und zusammenhängenden Text – wie die Entwicklung einer Pflanze – zu beschreiben. Deshalb stellen Lehrpersonen im HSK-Unterricht idealerweise zusätzlich zu den Fachbegriffen mögliche Formulierungen zur Verfügung, wie:
…., sobald…
Die Blumenzwiebel des…
In ihrem Innern sind…
Deshalb…
Es gibt noch…, zum Beispiel
Schülerinnen und Schüler, die noch nicht lange in der Schweiz sind, haben möglicherweise Schwierigkeiten, ein komplexes Phänomen in Deutsch zu formulieren. Wenn sie das Phänomen zuerst in ihrer Erstsprache formulieren können, ist es für sie möglich, inhaltlich zu lernen, ohne durch Sprache gebremst zu werden. Denkbar ist, dass sie sich das Phänomen nach einem Input in der Unterrichtssprache, selbst erklären und dabei die Sprache wählen.(4) In einem zweiten Schritt könnten sie sich dann den notwendigen Wortschatz in Deutsch aneignen und das Phänomen entsprechend formulieren. Auch für andere mehrsprachige Schülerinnen und Schüler, wäre es spannend und hilfreich, das Phänomen auch in der Erstsprache zu formulieren. Zur Unterstützung greifen sie auf die bereits vorhandenen Fachbegriffe in einer bestimmten Sprache zurück (siehe oben) und legen diese Begriffe in die korrekte Reihenfolge. Beim Formulieren orientieren sie sich an den Begriffen.
Wollen Lehrpersonen die gesamten Texte in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stellen, sind sie auf die Zusammenarbeit mit mehrsprachigen Kolleginnen und Kollegen im Team, in der Tagesstruktur oder mit HSK-Lehrpersonen angewiesen. Auch KI bietet inzwischen viele Übersetzungsmöglichkeiten, wenn hier auch Vorsicht vor Fehlern geboten ist.
Grundsätzlich eignet sich das beschriebene Beispiel für alle NMG-Themen, wenn die Lernenden ein Phänomen mit Fachwortschatz beschreiben. Für das Thema «Entwicklung – Keimlinge, Samen und Tiere» gibt es z.B. folgende Möglichkeiten:
Was wächst denn da? (vgl. NaTech 1/2, Themenbuch, S. 60f.)
Wunder der Verwandlung (vgl. NaTech 1/2, Themenbuch, S. 63)
Insekten und Blüten sind ein Team! (vgl. NaTech 3/4, Themenbuch, S. 68)
Wie entwickeln sich Bienen? (vgl. NaTech 3/4, Themenbuch, S. 70).
Ein Lebewesen entwickelt sich (vgl. NaTech 5/6, Themenbuch, S. 74.)
Es ist sehr aufwändig, jedes Mal alle Fachbegriffe in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung zu stellen. Möglich wäre, dass Lehrpersonen im Schulzimmer Wörterlisten aufhängen und die Schülerinnen und Schüler von sich aus immer wieder mit Begriffen in verschiedenen Sprachen ergänzen können. Vielleicht machen sie dies eher, wenn sie erfahren, dass die verschiedenen Sprachkompetenzen im Schulzimmer willkommen sind.
Ebenfalls möglich ist, dass sich ein Stufenteam aufteilt. Alle übernehmen ein paar Themen und erhalten den Wortschatz für die übrigen Themen von den Kolleginnen und Kollegen.
Im Regelklassenunterricht passiert es immer wieder, dass Schülerinnen und Schüler auf falsche Übersetzungen von Lehrpersonen oder Mitschülerinnen und Mitschülern hinweisen. V.a. bei komplexen Themen wie Sachtexten, ist es nicht selbstverständlich, dass alles korrekt ist. Manchmal geschehen diese Fehler, weil verwendete Übersetzungstools falsch übersetzen. Manchmal sind sich Schülerinnen und Schüler mit derselben Erstsprache uneinig, weil sie evtl. unterschiedliche Varietäten einer Sprache sprechen. Wichtig ist in diesen Situationen, die eigene Unkenntnis als Lehrperson transparent zu machen und die Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler anzuerkennen. Vielleicht ist es möglich, der offenen Frage gemeinsam nachzugehen. Es geht im Regelklassenunterricht in erster Linie darum, Mehrsprachigkeit als Selbstverständlichkeit und als Ressource zu verstehen und das Interesse an den verschiedenen Sprachen zu wecken bzw. zu fördern.
Im beschriebenen Beispiel hat ein Junge darauf hingewiesen, dass er nicht verstehe, was das Mädchen in Spanisch sage und deshalb bei der Präsentation nicht wisse, wann und wie er weitersprechen solle. Solche Unsicherheiten können Lehrpersonen abfedern, indem sie sie mit den Schülerinnen und Schülern im Voraus thematisieren. Sie zeigen ihnen, wie man sich anhand von Bildern und Materialien orientieren kann. Zudem weisen sie darauf hin, dass es wichtig ist, Übergänge gut abzusprechen und sich das Wort evtl. durch eine Geste weiterzugeben. Die Lehrpersonen geben den Schülerinnen und Schülern zudem genügend Zeit, um die Präsentation zu üben. Und sie arbeiten ausschliesslich mit bekannten Inhalten.
(1) vgl. D-EDK, 2016.
(2) vgl. Lehrmittelverlag Zürich und Schulverlag plus, 2018.
(3) vgl. ebd., S. 69.
(4) vgl. Montanari & Panagiotopoulou, 2025, S. 117.
Möglicher Text zur Entwicklung der Blumenzwiebel:
Scaffold mit Fachbegriffen und Formulierungen:
Das Scaffold wird idealerweise für verschiedene Leistungsniveaus angeboten, vom Paralleltext über einen Schreibplan mit umfassenden Formulierungen bis zu einem Schreibplan, der nur noch die Textstruktur enthält. Wie Lehrpersonen solche Schreibpläne erstellen können und viele Beispiele von Schreibplänen ist auf der Online-Lerneinheit von Büchel, E. (2022), PH Zürich beschrieben: https://openilias.phzh.ch/ilias.phpbaseClass=illmpresentationgui&cmd=resume&ref_id=190
D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.
MS-Schwerpunkt C (2019–2022). Brugg: Pädagogische Hochschule FHNW.
Lehrmittelverlag Zürich und Schulverlag plus (Hrsg.) (2018). NaTech 3/4. Themenbuch. 2. Auflage. Zürich und Bern: Lehrmittelverlag Zürich und Schulverlag plus AG.
Montanari, E. G., & Panagiotopoulou, J. A. (2025). Mehrsprachigkeit und Bildung in KiTas und Schulen (2. Aufl. ed.). Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.
Dominique Braun
Dozentin, PH Zug
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