In dieser spielerischen Vorstellungsrunde lernen sich die Kinder mit Bewegung, Sprache und Spass kennen. So entsteht ein lebendiger Einstieg, der Mehrsprachigkeit sichtbar macht und das Miteinander stärkt.
Text: Milena Bieri
Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:


Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
Fachliche Kompetenzen
Die Umsetzung bewegt sich im Kompetenzbereich «Sprechen – Dialogisches Sprechen». An folgender Kompetenz kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
D.3.C.1.a: Die Schülerinnen und Schüler können in einer vertrauten, selbstgewählten Sprechrolle an einem Spiel aktiv teilnehmen.
D.3.C.1.c: Die Schülerinnen und Schüler können einen Gesprächsbeitrag laut und deutlich in Mundart und in Standardsprache formulieren.
Überfachliche Kompetenzen
In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den sozialen Kompetenzen im Bereich «Dialog- und Kooperationsfähigkeit: Sich mit Menschen austauschen, zusammenarbeiten» arbeiten.
Zur Vorbereitung bietet es sich an, gemeinsam mit den Kindern Verben rund um das Thema Hobbys zu sammeln. Zu jedem Verb zeigt die Lehrperson ein passendes Bild und ergänzt - je nach Schulstufe - auch das entsprechende Schriftbild. Um die neuen Wörter spielerisch zu festigen, spielt die Klasse Pantomime: Ein Kind zieht ein Bild oder ein Wort und stellt das Hobby pantomimisch dar, ohne zu sprechen. Die anderen Kinder raten, um welches Hobby es sich handelt.
Im nächsten Schritt lädt die Lehrperson die Kinder dazu ein, die gesammelten Verben in verschiedenen Sprachen zu ergänzen. Das Pantomime-Spiel kann regelmässig in den Unterricht integriert werden. Beim Raten können die Kinder auch versuchen, das Hobby in einer anderen Sprache als Deutsch zu benennen.
Die Vorstellungsrunde lässt sich mehrsprachig in verschiedenen Varianten gestalten:
Variante 1: Jedes Kind stellt sich mit einer kleinen Pantomime vor. Es sagt, wie es heisst, und zeigt mit einer Bewegung, was es gerne macht – zum Beispiel hüpfen, malen oder singen. Den Satzanfang «Ich heisse …» spricht es in einer anderen Sprache als Deutsch. Die Lehrperson unterstützt, indem sie Satzanfänge in verschiedenen Sprachen bereitstellt.
Variante 2: Die Lehrperson motiviert die Kinder, den gesamten Satz in einer anderen Sprache als Deutsch oder in verschiedenen Sprachen zu formulieren, sofern sie dazu in der Lage sind und auch möchten.
Variante 3: Die Kinder wiederholen jeweils alles, was die Kinder vor ihnen bereits gesagt und gespielt haben. So entsteht eine lustige Vorstellungsrunde, in der viele Sprachen und Hobbys vorkommen.
Deutsch: Ich heisse Tom, und ich schwimme gerne.
Portugiesisch: Chamo-me Tom e gosto de nadar.
Albanisch: Unë quhem Tom dhe më pëlqen të notoj.
Türkisch: Benim adım Tom ve yüzmeyi severim.
Damit das Spiel spannend bleibt, können Lehrpersonen und Kinder das Spiel klassenübergreifend spielen. Z.B. Beim Kennenlerntreffen von Götti-Gotti Kinder, um Kinder in Parallelklassen kennen zu lernen,…
Kennen Kinder das Spiel schon, bietet es sich an, das Spiel mit anderen Themen zu wederholen. Z.B. zum Thema Lieblingstier, Aktivitäten aus den Ferien, Aktivität in der Pause.
Bevor die Kinder sich in der Vorstellungsrunde pantomimisch vorstellen, kann die Lehrperson gemeinsam mit der Klasse Hobbys sammeln, die in der Runde vorkommen könnten. Die Kinder nennen Aktivitäten, die sie gerne machen – z. B. malen, tanzen, Fussball spielen, lesen oder Musik hören. Dazu können auch passende Bewegungen gesammelt werden.
Die gesammelten Wörter werden sichtbar gemacht, z. B. auf einem Plakat, an der Tafel oder mit Symbolkarten. Dabei kann das Brainstorming gleich mehrsprachig gestaltet werden: Die Kinder nennen die Wörter in verschiedenen Sprachen, die sie kennen oder spannend finden. So entsteht eine gemeinsame Wortschatzbasis, die alle Kinder unterstützt, auch jene, die sich sprachlich noch unsicher fühlen. Diese Sammlung dient als Scaffold für die anschliessende Vorstellungsrunde.
Da die Vorstellungsrunde mit jeder Person länger und anspruchsvoller wird, kann dies für Kinder, die später an der Reihe sind, herausfordernd sein. Um Überforderung zu vermeiden und allen Kindern eine sichere Teilnahme zu ermöglichen, ist es wichtig, gezielt Scaffolds und visuelle Hilfen bereitzustellen – etwa Symbolkarten für Aktivitäten, eine Übersicht an der Tafel oder Satzanfänge zum Mitlesen.
Zusätzlich kann die Lehrperson die Klasse aktiv einbeziehen: „Schauen wir, ob wir es gemeinsam schaffen – wir helfen einander, wenn jemand nicht mehr weiterkommt.“ So entsteht ein unterstützendes Miteinander, das nicht nur sprachlich stärkt, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl fördert.
Um Othering zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Lehrperson den Kindern nicht zuweist, in welcher Sprache sie sprechen sollen – etwa durch Fragen wie: Wie heisst das denn auf deiner Sprache?“ Solche Formulierungen können Kinder auf eine bestimmte Herkunft oder Identität festlegen und unbeabsichtigt ausschliessen.
Stattdessen sollte die Sprachwahl frei und offen sein:
Ein Kind mit portugiesischer Erstsprache darf zum Beispiel auch Englisch wählen – oder eine Sprache, die es gerade spannend findet oder gut kennt. Die Lehrperson kann dies durch offene Fragen unterstützen, z. B.: Wer kennt dieses Wort noch in einer anderen Sprache?“
Auch Kinder, die ausschliesslich Deutsch sprechen, können partizipieren. Sie können zum Beispiel ein Wort in einem Dialekt nennen – etwa Berndeutsch oder Züridütsch – oder eine Variante, die sie aus ihrem familiären oder regionalen Umfeld kennen.
(1) vgl. D-EDK, 2016
Gratis Downloads Bildkarten zu Hobbies finden Sie hier.
D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.
Milena Bieri
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PH Zug
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