Rollenspiele können Lehrpersonen mehrsprachig gestalten. Sie agieren dabei als Modell, indem sie mehrsprachig vor- und mitspielen. Dadurch animieren sie die Kinder, ebenfalls ihre mehrsprachigen Kompetenzen einzubringen. Wie dies aussehen könnte, zeigen wir anhand des Rollenspiels «Verchäuferlis».
Mitarbeit Entwicklung: Nicole Portmann und Yuan Tian
Text: Dominique Braun
Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:


Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
Fachliche Kompetenzen
Die Umsetzung bewegt sich im Kompetenzbereich «Dialogisches Sprechen». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
D.3.C.1.a: Die Schülerinnen und Schüler
können die/den Gesprächspartner/in als Gegenüber wahrnehmen und mit ihr/ihm in Kontakt treten.
können in einer vertrauten, selbstgewählten Sprechrolle an einem Spiel aktiv teilnehmen.
Überfachliche Kompetenzen
In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den methodischen Kompetenzen im Bereich «Sprachfähigkeit: Ein breites Repertoire sprachlicher Ausdrucksformen entwickeln» arbeiten.
Für diese Umsetzung hat sich die Klasse vorgängig bereits mit Lebensmitteln in mehreren Sprachen befasst (vgl. Umsetzungen «Mehrsprachiger Rap»; «HotPot zu Lebensmitteln»; «mehrsprachiges Znüniritual»).
Die Lehrpersonen bauen eine Einkaufsstation auf (Marktstand, Verchäuferliladen). Zudem stellen sie Material wie Taschen, Säcke, Körbe, Spielgeld und Verkleidungen zur Verfügung.
Die Lehrpersonen zeigen modellhaft vor, wie eine mehrsprachige Einkaufssituation aussehen kann. Sie orientieren sich dabei an einer Struktur, die sie in einem Sprechplan bildhaft darstellen:
LP 1: «Ich hätte gerne einen pomme.»
LP 2 (übergibt den Apfel): «Hier. Möchtest du noch etwas?»
LP 1: «Oui, ich hätte gerne noch fromage.»
LP 2 (übergibt den Käse): «Hier. Möchtest du noch etwas?»
LP 1: «No, das ist alles. »
LP 2: «Das kostet 5 Franken.»
LP 1 (übergibt das Geld): «Hier»
LP 2: «Vielen Dank. Auf Wiedersehen.»
LP 1: «Au revoir.»
Die Lehrpersonen besprechen mit den Kindern, was ihnen aufgefallen ist. Vielleicht haben sie die Wörter in einer anderen Sprache als Deutsch herausgehört oder verstanden? Dann übernimmt ein Kind die Rolle von LP1. Ob und welche zusätzliche(n) Sprache(n) das Kind wählt, ist ihm freigestellt.

Nach ein paar Durchgängen übernimmt auch ein Kind die Rolle von LP2. Sobald zwei Kinder spielen, können die Lehrpersonen mit kleineren Gruppen arbeiten. Eine Gruppe spielt «Verchäuferlis», die übrigen Kinder haben einen anderen Auftrag.

Die vorgegebene Struktur dient zur Unterstützung. Führen Kinder einen ähnlichen Dialog mit eigenen Sätzen, soll dies unbedingt erlaubt sein.
Je nach Klasse ist es sinnvoll, wenn die Lehrpersonen den Dialog zuerst in Deutsch einführen und erst dann mit zusätzlichen Sprachen ergänzen.
Ist der Dialog einmal eingeführt, verlegen die Lehrpersonen das mehrsprachige Einkaufen ins Freispielangebot. Der Marktstand oder Laden bleiben im Raum stehen. Um möglichst in die Situation einzutauchen, rüsten sich die Kundinnen und Kunden mit Einkaufstaschen, Körben, Geld und weiteren Verkleidungsmaterialien aus. Auf Bildkarten von Lebensmitteln ist eine Möglichkeit vorhanden, um die Begriffe in verschiedenen Sprachen zu hören (QR-Code, Kleber für Vorlesestift).
Die Kinder führen die Dialoge im Freispiel freier als bei der Einführung. Möglicherweise interessieren sich einige Kinder mehr dafür, die Begriffe in verschiedenen Sprachen zu hören. Damit diese Begriffe Eingang ins Spiel finden, spielen die Lehrpersonen immer wieder mit und dienen als Modell.
Die HSK-Lehrperson für Mandarin hat einen typischen chinesischen Markt aufgebaut. Eine deutschsprachige Lehrperson ist zu Besuch und spielt eine Touristin. Sie schlendert über den Markt. Leider spricht sie kein Mandarin, sondern Deutsch und Englisch. Deshalb ist sie darauf angewiesen, dass andere Kunden und Kundinnen übersetzen. Die Kinder sind gerne bereit, ihr zu helfen.
Mehrsprachige Rollenspiele können auch in anderen Settings durchgeführt werden. Besonders gut geeignet sind Umgebungen, in denen auch in der Realität mehrere Sprachen zu hören sind, z.B. auf dem Flughafen, am Bahnhof (vgl. Theaterszenen am Bahnhof), in einem Restaurant.
Damit Kinder im Rollenspiel ihre Kompetenzen in verschiedenen Sprachen einbringen, braucht es Zeit. Sie müssen realisieren, dass ihre mehrsprachigen Kompetenzen von den Lehrpersonen anerkannt werden und willkommen sind. Deshalb ist der Marktstand oder Laden idealerweise über längere Zeit aufgebaut. Die Lehrpersonen spielen immer wieder mehrsprachig mit. Auch kombinieren sie das Angebot beispielsweise mit mehrsprachigen Ritualen (vgl. mehrsprachiges Znüniritual).
Es ist gut möglich, dass die Dialoge sprachliche Fehler oder Ungereimtheiten enthalten. Vielleicht sagt ein Kind: «Ich hätte gerne eine pomme.», denn im Französischen heisst es la pomme. Insbesondere mit sprachstarken Kindern können Lehrpersonen solche Unterschiede bereits im Zyklus 1 thematisieren. Dadurch erweitern diese ihr metasprachliches Wissen. Formulieren die Kinder ganze Sätze in einer anderen Sprache als Deutsch, sind Lehrpersonen möglicherweise unsicher, ob die Sätze korrekt sind. Es geht hier nicht in erster Linie um absolute Korrektheit, sondern darum, dass die Kinder realisieren, dass ihre mehrsprachigen Kompetenzen eine Ressource sind.
Die Adaption mit den Übersetzungen wurde im HSK-Unterricht entwickelt. In diesem Setting stellt die Idee mit der Touristin eine authentische Situation dar, in der die Schülerinnen und Schüler ihre mehrsprachigen Ressourcen einbringen können.
Wollen Lehrpersonen im Regelunterricht mit Übersetzungen arbeiten, gilt zu berücksichtigen, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler ad hoc übersetzen können, auch wenn ihnen die Begriffe durchaus bekannt wären (vgl. dazu Hintergrundinformationen – Was kann ich besonders beachten?).
(1) vgl. D-EDK, 2016
D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.
Dominique Braun
Dozentin, PH Zug
Mail schicken