In dieser Unterrichtseinheit erleben Kinder Wetterwörter auf Finnisch und in anderen Sprachen durch Bewegung, Musik und gemeinsames Erzählen. Ausgehend von einem Bilderbuch gestalten sie eigene Klanggeschichten, die Sprache, Rhythmus und Kreativität verbinden und führen sie als kleines Klangtheater auf.

Mitarbeit Entwicklung: Annika Sirkä
Text:
Milena Bieri
 

Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:

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Lehrplanbereich

Diese Umsetzung wurde im HSK-Unterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK).(1)

Fachliche Kompetenzen

Diese Umsetzung bewegt sich in den Kompetenzbereichen «Hören», «Sprechen», «Sprachen im Fokus», und «Natur, Mensch, Gesellschaft – Natur und Technik». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson im HSK-Unterricht mit ihrer Klasse arbeiten:
 

  • Sie befassen sich exemplarisch mit Themen zu Natur und Technik und erweitern den betreffenden Wortschatz in ihrer Herkunftssprache. Verbindung zum Lehrplan 21 NMG.2: «Tiere, Pflanzen und Lebensräume erkunden und erhalten» Umsetzung

  • Die Schülerinnen und Schüler können Hörmaterialien wichtige Informationen entnehmen.

  • Die Schülerinnen und Schüler können sich in monologischen Situationen (Bsp. Referat halten, Gedicht rezitieren, …) angemessen und verständlich ausdrücken.

  • Die Schülerinnen und Schüler machen sich anhand geeigneter Frage- und Aufgabestellungen Gedanken zu ihrer Herkunftssprache (z. B. grammatische Geschlechter, Bildung der Plural- und Zeitformen, Dialekte, Geschichte etc.). Dabei helfen Vergleiche mit dem Deutschen und evtl. anderen in der Schule vermittelten oder gesprochenen Sprachen, um Eigenheiten der Herkunftssprache herauszuarbeiten und zu erkennen (Sprachbewusstheit/ language awareness).(2)

Umsetzung

Vorbereitende Aktivitäten:

Die Lehrperson nimmt das Buch «Ankanpoika sateessa» (Ein Entchen im Regen) mit in den Unterricht. In der Geschichte geht es um ein Entchen, welches bei regnerischem Wetter nicht nach draussen möchte:  An einem verregneten Tag sitzt ein kleines Entchen missmutig im Haus. Es mag den Regen nicht und möchte auf keinen Fall hinaus. Da kommt der Grossvater und nimmt das Entchen mit auf den Dachboden. Dort entdeckt es ein Paar alte Gummistiefel, die früher der Mutter gehört haben. Mit den Stiefeln an den Füssen wagt sich das Entchen hinaus und plötzlich macht es riesigen Spass, in die Pfützen zu springen.  Die Lehrperson liest zu Beginn der Stunde ein kurzer Ausschnitt aus dem Buch vor. Idealerweise die Szene, in der das Entchen im Regen unterwegs ist. Die Lehrperson stellt eine offene Frage wie: «Miltä sää ankanpojasta tuntuu?» («Wie fühlt sich das Wetter für das Entchen an?»), um die Kinder zum Nachdenken und Erzählen anzuregen.

Die Klasse überlegt gemeinsam, welche Wetterwörter in der Szene vorkommen. Die Kinder nennen Begriffe wie sade (Regen), aurinki (Sonne), tuuli (Wind), pilvi (Wolke), ukkonen (Gewitter), lumi (Schnee), kylmä (kalt) und lämmin (warm). Die Lehrperson stellt die Wörter visuell als Wortkarten im Kreis oder an der Tafel dar.  

Gemeinsam werden Wetterwörter gesammelt und aufgeschrieben. Aufnahme Annika Sirkä
Gemeinsam werden Wetterwörter gesammelt und aufgeschrieben. Aufnahme Annika Sirkä

Möchte die Lehrperson noch weitere Sprachen miteinbeziehen, kann die Lehrperson fragen: «Wer kennt das Wort noch in einer anderen Sprache?» So können die Kinder die finnischen Wörter mit Begriffen in anderen Sprachen vergleichen – etwa sade – Regen – rain – shi. Die Lehrperson gestaltet die Wortkarten mehrsprachig, z. B. mit der finnischen Bezeichnung vorn und Übersetzungen in anderen Sprachen auf der Rückseite.
 

Die Lehrperson regt einen Sprachvergleich mit konkreten Fragen an:

Was klingt ähnlich?
 

  • Gibt es Wörter, die mit den gleichen Lauten beginnen/enden, …

  • Was bedeutet das Wort?

  • Gibt es in einer Sprache mehrere Wörter für dieselbe Bedeutung?

  • Gibt es Wörter, die ähnlich klingen, aber etwas anderes bedeuten?

  • Klingen gewisse Laute weich oder hart?

  • Wie fühlen sich Laute im Mund an?


Im Anschluss sammelt die Klasse passende Bewegungen zu den Wetterwörter:
 

  • sade (Regen): gleichmässiges Klatschen – wie Tropfen

  • tuuli (Wind): sanftes Patschen auf die Oberschenkel – wie wehender Wind

  • ukkonen (Gewitter): kräftiges Stampfen oder Klopfen – wie Donnerschläge

  • aurinko (Sonne): leises Fingerschnippen oder Händeklatschen – wie Sonnenstrahlen

  • lumi (Schnee): langsames Streichen mit den Händen – wie fallende Flocken


Anschliessend folgt ein Pantomimenspiel: Die Kinder arbeiten in Kleingruppen und stellen ein Wetterwort pantomimisch dar, ohne zu sprechen. Die anderen Kinder raten, welches Wort gemeint ist. Die Kinder dürfen die Sprache jeweils selbst wählen. Falls der finnische Begriff nicht genannt wird, ergänzt ihn die Lehrperson.

     

Hauptteil:

Nach der Wortschatzarbeit folgt eine musikalisch-rhythmische Vertiefung. Die Lehrperson lädt die Kinder ein, die Wörter nicht nur zu sprechen und mit Bewegungen zu begleiten, sondern auch mit Instrumenten zu begleiten.
 

Sie stellt einfache Instrumente bereit, z. B.:

  • Rasseln oder Regenmacher für sade

  • Windspiel oder Tücher für tuuli

  • Gewitterrohr/Donnerrohr, Trommeln oder Cajón für ukkonen

  • Triangel oder Glockenspiel für aurinko

  • Schellen oder weiche Klanghölzer für lumi


In Kleingruppen entwickeln die Kinder eigene Klangmuster zu den verschiedenen Wetterwörtern.
 

  • Eine Gruppe spielt sade mit Rasseln im Rhythmus des Wortes.

  • Eine andere begleitet ukkonen mit Trommelschlägen – laut und rhythmisch.


Im Anschluss spielen die verschiedenen Gruppen die entwickelten Klangmuster zu den Wetterwörtern vor.

Schluss:

Die Lehrperson erzählt nun eine kurze Wettergeschichte, in der die Wetterwörter in verschiedenen Sprachen vorkommen. Immer wenn ein Wetterwort genannt wird, spielt die entsprechende Gruppe den passenden Klang. So entsteht ein lebendiges Hörspiel, bei dem die Kinder aufmerksam zuhören und aktiv mitgestalten. Die Geschichte kann z. B. vom Entchen handeln, das durch verschiedene Wetterlagen wandert – Regen, Wind, Sonne, Schnee – und dabei jeweils musikalisch begleitet wird. Eine Beispielgeschichte finden Sie bei Materialien und Links.

Weiterführung:

Als kreative Weiterführung entwickeln die Kinder in Kleingruppen eigene kurze Geschichten, in denen Wetterwörter in verschiedenen Sprachen vorkommen und begleiten diese mit passenden Klangmustern. Die entstandenen Klanggeschichten führen die Kinder anschliessend auf – entweder im Rahmen einer kleinen Präsentation für die Eltern oder als musikalisches Mini-Theater für Klassen im Schulhaus.

Für Regelklassen

Diese Unterrichtsidee lässt sich für den Regelklassenunterricht adaptieren, indem die Klasse ausgehend von einer passenden Geschichte gemeinsam Wetterwörter in verschiedenen Sprachen sammelt. Die Lehrperson stellt unterstützende Materialien bereit, etwa eine mehrsprachige Wörterliste und einen Schreibplan, um die Kinder beim Verfassen eigener Texte zu unterstützen.
 

In Kleingruppen erfinden die Kinder kurze Wettergeschichten, in denen sie die Wetterwörter entweder in verschiedenen Sprachen oder konsequent in einer Sprache ihrer Wahl verwenden. Die Kinder üben anschliessend die Geschichten mit passenden Perkussionsinstrumenten ein: Jede Gruppe entwickelt einfache Klangmuster zu den Wetterwörtern. Zum Abschluss präsentieren die Kinder ihre Geschichten als kleines Klangtheater – gesprochen und begleitet von musikalischen Elementen.

Auch geeignet für

Thema Gefühle:

  • Wortschatz: fröhlich, traurig, wütend, überrascht usw.

  • Bewegungen und Klangsymbole für jede Emotion

  • Kinder erfinden Geschichten oder Szenen mit verschiedenen Gefühlslagen


Tiere und ihre Lebensräume

  • Wortschatz: Tiernamen, Geräusche, Bewegungen

  • Klanggruppen: Tiergeräusche mit Instrumenten

  • Geschichten über Tiere


Jahreszeiten

  • Wortschatz: Frühling, Sommer, Herbst, Winter + typische Aktivitäten

  • Bewegungen und Klänge passend zur Jahreszeit

Methodisch-didaktische Überlegungen


Scaffolds bereitstellen

Um alle Kinder gezielt zu unterstützen, sind sprachliche und visuelle Hilfsmittel zentral. Dazu gehören z. B. ein Schreibplan für die Wettergeschichte, Satzanfänge, Symbolkarten für Wetterwörter sowie Wortlisten in mehreren Sprachen. Auch im HSK-Unterricht verfügen die Kinder über sehr unterschiedliche sprachliche Ressourcen. Scaffolds helfen dabei, allen Kindern eine aktive Teilnahme zu ermöglichen.

Othering vermeiden

Wenn wir im Unterricht über Sprache sprechen, lohnt es sich, genau hinzuschauen, wie wir fragen. Statt ein Kind direkt anzusprechen mit: «Wie heisst Sonne in deiner Sprache?», fragt die Lehrperson offen in die Runde: «Wer kennt das Wort Regen noch in einer anderen Sprache als Finnisch?»

 

Mit solchen offenen Fragen lädt sie alle Kinder ein, ihr Wissen zu teilen – unabhängig davon, welche Sprachen sie sprechen. Gleichzeitig vermeidet sie es, Kinder auf eine bestimmte Sprache oder Herkunft festzulegen. Mehr über das Konzept Othering finden Sie hier.

  1. (1) vgl. Bildungsdirektion Kanton Zürich, 2023.

    (2) ebd., S. 13.

Materialien und Links

Beispiel einer Geschichte in Anlehnung an das Bilderbuch «Ankanpoika sateessa» (Ein Entchen im Regen)

Verwendete Literatur

Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt. (2023). Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK). Mit Erläuterungen zu den Rahmenbedingungen des Unterrichts. Verfügbar unter: https://hsk-info.ch/images/Dokumente%20zum%20Download/rahmenlehrplan_hsk_de_neu11.pdf  Zugriff am 07. Juli 2025.

Kontakt

Milena Bieri
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PH Zug
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