Die Schülerinnen und Schüler stellen ein bekanntes Märchen als mehrsprachigen Comic dar. Zudem vergleichen sie Schlüsselbegriffe und Schlüsselsätze aus dem Märchen in verschiedenen Sprachen.

Mitarbeit Entwicklung: Sarah Thalmann und Yuan Tian
Text:
Dominique Braun
 

Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:

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Lehrplanbereich

Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
 

Fachliche Kompetenzen 

Die Umsetzung bewegt sich in den Kompetenzbereichen «Monologisches Sprechen», «Sprache(n) im Fokus» und «Literatur im Fokus». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:


D.3.B.1.d:

  • Die Schülerinnen und Schüler können eine Geschichte verständlich nacherzählen.

  • Die Schülerinnen und Schüler können Ergebnisse einer Gruppenarbeit verständlich weitergeben und dabei verschiedene Medien nutzen (z.B. Bild-, Textdokument).


D.5.C.1.b:

  • Die Schülerinnen und Schüler können Wörter in Bezug auf ihre Lautstruktur untersuchen.

  • Die Schülerinnen und Schüler können Erfahrungen sammeln mit: Wort- und Satzbau (z.B. Wortgrenzen und Anzahl Wörter in einem Satz bestimmen); unterschiedlichen Lautstrukturen der verschiedenen Sprachen in der Klasse (Satzmelodie); unterschiedlichen Schriftsystemen (z.B. Bilderschrift).


D.5.C.1.d: Die Schülerinnen und Schüler können Lautung, Wort- und Satzbau in verschiedenen Sprachen (der Klasse) vergleichen (z.B. unterschiedliche Laute, Wortübersetzung, unterschiedliche Wortstellung).
 

D.6.A.1.b: Die Schülerinnen und Schüler können zu Geschichten zeichnen und spielen. Sie können die entstandenen Zeichnungen und Handlungen in Bezug zur Geschichte setzen und einzelne Episoden daraus erzählen.

Überfachliche Kompetenzen

In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den sozialen Kompetenzen im Bereich «Dialog und Kooperationsfähigkeit: Sich mit Menschen austauschen, zusammenarbeiten» arbeiten.

Umsetzung

Vorbereitende Aktivitäten:

Die Schülerinnen und Schüler haben die Geschichte «Die drei kleinen Schweinchen und der böse Wolf» lesend oder erzählend kennengelernt.
 

In dieser Geschichte bauen drei Schweinchen je ein Haus, eines aus Stroh, eines aus Holz und eines aus Stein. Der Wolf will in die Häuser eindringen. Als die Schweinchen ihm dies verweigern, schafft er es, die ersten beiden Häuser umzupusten. Beim dritten Haus scheitert er. Als er durch den Kamin ins Haus gelangt, fällt er in einen Topf mit siedend heissem Wasser.(2)

Hauptteil - Sprachvergleich:

Als Repetition der Geschichte legt die Lehrperson Stroh, Holz und einen Stein in den Kreis. Sie bespricht die Materialien mit den Schülerinnen und Schülern und fragt sie, woran sie diese erinnern. Als weiteren Hinweis stehen Bilder eines Wolfs und von Schweinen zur Verfügung.
 

Die Lehrperson hat Schlüsselbegriffe der Geschichte ausgewählt: drei, Schwein, Schweinchen, Wolf, Haus, Stroh, Holz, Steine. Nun sammelt sie mit den Kindern diese Begriffe in verschiedenen Sprachen: «Wie heissen diese Begriffe in weiteren Sprachen?» Die Frage formuliert sie bewusst offen, damit sich die Kinder in denjenigen Sprachen einbringen können, in denen sie das wollen (vgl. weiter unten). Als Unterstützung hat die Lehrperson eine Wörterliste in den Klassensprachen und den gängigen Fremdsprachen vorbereitet (vgl. Materialien und Links). Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die Begriffe nach Anlauten, Wortstämmen und Klang. Interessant ist auch der Vergleich bzgl. Diminutiv. Bei einigen Sprachen ändert die Endung, einige Sprachen verwenden neue Begriffe und einige Sprachen verwenden mehrere Wörter.
 

Als nächstes setzen sich die Schülerinnen und Schüler in einer Gruppenarbeit mit ganzen Sätzen auseinander. Die Lehrperson hat dazu drei Schlüsselsätze aus der Geschichte in die Klassen- und Fremdsprachen übersetzt (vgl. Materialien und Links):
 

„Ich baue mir ein Haus aus Stroh.“

„Ich werde pusten und pusten, bis dein Haus umfällt!“

„Lasst mich rein!“
 

Jede Gruppe erhält einen Satz in verschiedenen Sprachen. Die Kinder ordnen den Satz der korrekten Sprache zu. Dann vergleichen sie z.B. Anzahl Wörter oder die Gross-/Kleinschreibung. Sie prüfen, ob Subjekt und Objekt überall als eigene Wörter stehen und inwiefern Artikel vorhanden sind. Je nach Satz und verglichenen Sprachen ist es sinnvoll, dass sich die Gruppen mit unterschiedlichen Fragen auseinandersetzen.

Zum Abschluss stellen die Gruppen ihre Erkenntnisse im Plenum vor.

Hauptteil - Geschichte als Comic:

Die Schülerinnen und Schüler stellen die verschiedenen Szenen der Geschichte als mehrsprachigen Comic dar. Dazu gliedert die Lehrperson die Geschichte in verschiedene Szenen. Die Klasse teilt die verschiedenen Szenen auf. Jede Schülerin und jeder Schüler zeichnet zu einer Szene ein oder mehrere Bilder. Für die Sprechblasen können sie unterschiedliche Sprachen verwenden. Dazu greifen sie auf die vorhandenen Wort- und Satzlisten zurück. Alternativ übersetzen sie weitere Sätze eigenständig oder mit Hilfe von digitalen Hilfsmitteln:

Zwei Comicszenen, einmal in Koreanisch und einmal in Portugiesisch. Aufnahme Sarah Thalmann
Zwei Comicszenen, einmal in Koreanisch und einmal in Portugiesisch. Aufnahme Sarah Thalmann
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Die fertigen Szenen setzen die Schülerinnen und Schüler zu mehreren Comicstreifen zusammen. Sie zeigen den Streifen am Visualizer und lesen die Szenen mehrsprachig vor. Zudem stellen sie die Streifen im Schulzimmer oder Schulhaus aus. Weil die Geschichte bekannt ist und anhand der Bilder verstehen alle Kinder die Geschichte, auch dann, wenn ihnen eine Sprache nicht bekannt ist.

Schluss - Geschichte als Comic:

Die Lehrperson bespricht die Moral des Märchens mit den Kindern anhand verschiedener Fragen, z.B.:
 

  • Was glaubt ihr, was uns die Geschichte sagen will?

  • Kennt ihr Situationen, in denen es sich gelohnt hat, fleissig zu sein?

  • Wie können wir uns gegenseitig helfen, wenn jemand vor einer schwierigen Aufgabe steht?


Sie thematisiert dabei auch die Rolle des Wolfs, z.B.:
 

  • Weshalb wird der Wolf in vielen Märchen als böse dargestellt?

  • Wovor fürchten wir Menschen uns?

  • Wann können Wölfe gefährlich werden?

  • Wann ist die Angst vor dem Wolf übertrieben?

Für HSK-Unterricht

Sowohl der Sprachvergleich von Schlüsselsätzen als auch die Darstellung der Geschichte als Comic eignen sich für den HSK-Unterricht. Den Comic können die Schülerinnen und Schüler ausschliesslich in der Erstsprache oder mehrsprachig erstellen.
 

Beim Sprachvergleich geht die Lehrperson von der jeweiligen Unterrichtssprache aus. Sie vergleicht die Schlüsselsätze mit dem Deutschen, evtl. mit den schulischen Fremdsprachen und weiteren Sprachen, die die Schülerinnen und Schüler sprechen. Dabei geht es um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Sprachen. Wenn die Schülerinnen und Schüler Zusammenhänge erkennen, gibt ihnen dies sprachliche Orientierung und Sicherheit.(3)

weitere geeignete Geschichten

Das Märchen «Die drei kleinen Schweinchen und der böse Wolf» eignet sich für ein Mehrsprachigkeitsprojekt v.a. deshalb, weil sich bestimmte Sätze wiederholen. Diese Schlüsselsätze bieten sich für einen Sprachvergleich an. Zudem ist gewährleistet, dass alle Kinder verstehen, worum es geht, auch wenn nicht alle die verschiedenen Sprachen tatsächlich verstehen. Weitere Märchen oder andere Geschichten mit sprachlichen und inhaltlichen Wiederholungen sind beispielsweise:
 

  • Rapunzel

  • Rotkäppchen

  • Schneewittchen

  • Carle, E. (1994). Die kleine Raupe Nimmersat. Hildesheim: Gerstenberg Verlag.

  • Dietl, E. (2004). Die Olchis aus Schmuddelfing. Hamburg: Oetinger.

  • Holzwarth, W. & Strozyk, T., (2015). Mag ich! Gar nicht! Leipzig: Klett Kinderbuch Verlag.

  • Holzwarth, W. & Erlbruch, W. (1989). Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Wuppertal: Peter Hammer Verlag.


Wenn Lehrpersonen mit Märchen arbeiten, bietet es sich auch an, Märchen aus unterschiedlichen Sprachräumen zu wählen. Das Märchen «Prinzessin Ardita» aus dem albanischen Sprachraum eignet sich für die beschriebene Umsetzung besonders gut, weil es einen wiederkehrenden Vers enthält:
 

Hüsler, S., (2001). Prinzessin Ardita. Zürich: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich.

Methodisch-didaktische Überlegungen


Rolle als Expertin oder Experte

Bei Sprachvergleichen ist es verlockend, Kinder, die eine bestimmte Sprache sprechen als Expertin oder Experte anzusprechen: «Wie ist das bei euch im Italienischen? Wie viele Artikel gibt es da?» Mit solchen Fragen werden die Schülerinnen und Schüler exponiert. Sie sollen eine Antwort liefern, die sie möglicherweise nicht kennen. Und sie werden als einer anderen Gruppe zugehörig beschrieben als der Gruppe der Deutschsprachigen. All das kann für ein Kind sehr unangenehm sein. Deshalb ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden können, ob sie die Rolle der Expertin/des Experten übernehmen wollen oder nicht (vgl. dazu Hintergrundinformationen – Was kann ich besonders beachten?). Um dies zu gewährleisten, weisen Lehrpersonen zu Beginn einer Sequenz darauf hin, dass sich gerne alle Kinder mit all ihren Sprachkompetenzen einbringen können, dass dies aber freiwillig sei. Zudem können Lehrpersonen offene Fragen stellen: «Haben alle Sprachen gleich viele Artikel? Welche Sprachen haben weniger oder mehr Artikel als Deutsch?»

Wörter- und Satzlisten

Damit Sprachvergleiche gelingen, erstellen Lehrpersonen Wörter- und Satzlisten möglichst im Voraus. Sie können in einem ersten Schritt trotzdem das aufnehmen, was die Schülerinnen und Schüler spontan einbringen, auch weitere Sprachen. Durch die Listen garantieren sie, dass sie alle Sprachen, die Kinder in der Klasse sprechen, anbieten. So entstehen keine Lücken und unbeabsichtigten Sprachhierarchien, falls ein Kind sich nicht einbringen kann oder will (vgl. dazu Hintergrundinformationen – Was kann ich besonders beachten?). 
 

Die Listen stehen auch für die mehrsprachigen Comics zur Verfügung. Mit dieser Unterstützung können sich die Schülerinnen und Schüler auf die gestalterische Aufgabe konzentrieren. Zwar können sie Übersetzungen auch mit Übersetzungs-Tools vornehmen. Dies braucht erfahrungsgemässe jedoch viel Zeit.

  1. (1) vgl. D-EDK, 2016.

    (2) vgl. Scheffler, 2017.

    (3) vgl. Bildungsdirektion Kanton Zürich, 2023, S. 12.

Materialien und Links

Dokument mit Schlüsselbegriffen in verschiedenen Sprachen:

Dokument mit Schlüsselsätzen in verschiedenen Sprache:

Verwendete Literatur

Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt. (2023). Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK). Mit Erläuterungen zu den Rahmenbedingungen des Unterrichts. Verfügbar unter: https://hsk-info.ch/images/Dokumente%20zum%20Download/rahmenlehrplan_hsk_de_neu11.pdf  Zugriff am 07. Juli 2025.
 

D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.
 

Scheffler, A. (2017). Die drei kleinen Schweinchen und der böse Wolf. Weinheim: Beltz Verlag

Kontakt

Dominiuqe Braun
Dozentin, PH Zug
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