Eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern ermöglicht und unterstützt das erfolgreiche Lernen der Kinder. Durch institutionalisierte Formen der Zusammenarbeit, etwa in Form von Elternräten, Elternforen oder Elternrunden, können sich Eltern beteiligen und einbringen. Im Idealfall kann sich daraus ein riesiges Potenzial an Wissen und Erfahrung in allen möglichen Bereichen ergeben – insbesondere dann, wenn es sich um einen aktives und divers zusammengesetztes Elternmitwirkungsgremium handelt.

Text: Miriam Aegerter
Empfohlen für Zyklus 1, 2 & 3

Beschreibung der Idee

Eine institutionalisierte Elternmitwirkung bietet Austausch- und Partizipationsmöglichkeiten für Eltern. Der Elternrat ist per Definition das Bindeglied zwischen der Schule und der Elternschaft.

Wie das gelebt wird, ist je nach Schule und Ort sehr unterschiedlich und hängt von zahlreichen Faktoren ab. Elternräte bringen die Bedürfnisse und Ideen der Elternschaft ein und tauschen sich zusammen mit der Schule über Themen aus, die die ganze Schule betreffen.
 

Am Primarstandort Isaak Iselin in Basel spielt der Elternrat, welcher aus Delegierten aus allen Klassen zusammengesetzt ist, eine sehr aktive Rolle. Was daraus entstehen kann, zeigt das folgende Beispiel des «Iseli Markts»:

Flyer Elternrat. Erziehungsdepartement des Kanton Basel-Stadt. Volksschulen.
Flyer Elternrat. Erziehungsdepartement des Kanton Basel-Stadt. Volksschulen.

Auf dem Pausenhof der Primarstufe Isaak Iselin findet seit Juni 2023 einmal im Monat, jeweils am letzten Samstag von 9:00 bis 14:00 Uhr, ein Quartiermarkt statt. Organisiert und durchgeführt wird der Markt vom Förderverein Isaak Iselin, zusammen mit der Schulleitung und dem Kollegium der Primarstufe Isaak Iselin. Angeboten werden regionale und saisonale Produkte wie frisches Gemüse, Obst, Käse, Brot & Patisserie, aber auch Blumen oder ein Bücherstand. Zum Verweilen und Geniessen laden ein paar Essensstände ein. Für die Kinder gibt es ein kleines Spiel-Angebot (organisiert durch eine Klasse) und Eltern und Interessierte können sich im Elterncafé über schulinterne und -externe Angebote informieren und austauschen. Das Projekt soll die Schülerpartizipation an der Schule fördern und die Klassen können, je nach Bedarf und Idee ein Standangebot wie zum Beispiel einen Velo-Putz-Service oder einen Hotdog-Stand entwickeln und anbieten. Mit dem Iseli-Markt wird nun ein am Wochenende normalerweise abgeschlossener Raum geöffnet und dem Quartier als Treffpunkt zur Verfügung gestellt. «Die Schule ist nicht mehr nur ein Lernort, sondern wird so zu einem attraktiven Lebensort, an dem sich Quartierbewohnende, Schulmitarbeitende, Eltern und Kinder begegnen können. Die Schule vernetzt sich so mit dem Quartier und dem ansässigen Kleingewerbe und wird als Quartierschule wahrgenommen» (Webseite Primarstufe Isaak Iselin).

Der divers zusammengesetzte Elternrat der Primarschule Isaak Iselin umfasst zahlreiche Eltern mit verschiedenstem Hintergrund, was ein riesiges Potenzial an Wissen und Erfahrung zusammenbringt. So sind im Elternrat beispielsweise Eltern mit unterschiedlichen Erstsprachen, diversen Herkünften, aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, mit unterschiedlichem Alter der Kinder und aus verschiedenen Berufen vertreten. «Das Engagement der Delegierten ist sehr gross», sagt Anouk König, Schulleiterin im Isaak-Iselin. Der Elternrat versammelt sich vier Mal pro Schuljahr zu einer Sitzung, wobei sicherlich ein Elterndelegierter pro Klasse vertreten ist. Neben den Elterndelegierten ist auch eine Vertretung pro Stufe, jemand aus den Tagesstrukturen und die Schulleitung als Beisitzende mit dabei. Dass diese Sitzungen jeweils kein Leerlauf sind, liegt an der durchdachten und klar strukturierten Sitzungsführung. Es gibt ein Ablaufraster und die Sitzung wird mit dem Präsidium des Elternrats vorbesprochen. Ergänzend zum Elternrat gibt es Arbeitsgruppen. Dank der Arbeit in diesen Arbeitsgruppen sind in den letzten Jahren viele Angebote im Umfeld der Schule fest etabliert worden, so beispielsweise die Quartierrundgänge oder die offene Turnhalle am Sonntag. Eine weitere Arbeitsgruppe gibt der Schulleitung Tipps zur Schulbibliothek, beispielsweise zu welchem Thema neue Medien angeschafft werden sollen. Sehr wertvoll für die Schulleitung sind auch die Eltern, die in einer Arbeitsgruppe die Schulwebsite im Auge behalten und ihr Hinweise dazu geben, welche Informationen aus Elternsicht dort hilfreich wären. Als Elterndelegierte ist man aber nicht automatisch auch Teil einer Arbeitsgruppe. Diese Arbeit ist freiwillig und es kann auch mal pausiert werden. Es gibt fest etablierte Arbeitsgruppen, es können aber auch neue Themen dazu kommen oder andere wieder wegfallen.

Impressionen Iseli Markt.
Impressionen Iseli Markt.
Impressionen Iseli Markt.

Schulleiterin Anouk König und die Schulleiter Pascal Steiger und Stefan Beck schätzen die Arbeit des Elternrats sehr. So ist die Schulleitung auch immer an den Sitzungen dabei, informiert über Aktuelles und gesellt sich später auch zu den Arbeits- und Austauschgruppen. «Der Nutzen für die Schule ist wirklich gewinnbringend und wertvoll, vor allem die Kinder profitieren von dieser Zusammenarbeit», so Steiger. Durch verschiedene Anlässe wie Sitzungen, aber auch Feiern, entstehen an der Schule wertvolle Gelegenheiten zum Austausch. Häufig sind bei diesen Anlässen auch die Schülerinnen und Schüler dabei, sodass das Zusammengehörigkeitsgefühl stetig wachsen kann. Dies trägt auch zu einer wohlwollenden Schulkultur bei, was für alle Beteiligten (Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen, Eltern) ein Gewinn ist.
 

Neben dem Elternrat ist im Quartier auch ein Förderverein sehr aktiv, der aus dem Elternrat heraus entstanden ist. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die vielfältigen schulischen Angebote für Kinder und Familien rund um die Primarstufe Isaak Iselin zu unterstützen, bekanntzumachen und deren Weiter­bestehen zu sichern (insbesondere kümmern sie sich auch um finanzielle Unterstützung). Dazu soll die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternrat, Schulrat und ausserschulischen Institutionen gefördert und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein für das Zusammenleben im Quartier geschaffen werden. Die Schulleitung, Lehrpersonen, Eltern und weitere Interessierte sind Mitglieder in diesem Verein.
 

An der Schule Walchwil spielt die Elternbeteiligung ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Schulleitung sowie die Lehrpersonen verstehen die Zusammenarbeit mit den Eltern als eine substanzielle Aufgabe der Schule. So wurde in Zusammenarbeit mit der PH Zug die Elternmitwirkung kürzlich neu aufgegleist. Ziel war es, das Elternforum möglichst divers zusammen zu setzen (Herkunft, Wohnort innerhalb des Dorfes, Sprache, Alter der Kinder etc.). In einer Kick-Off Veranstaltung mit interessierten Eltern führte zunächst der Rektor der Schule, Beat Schäli, in die Veranstaltung ein, bevor Miriam Aegerter, Dozentin der PH Zug, einen kurzen Input zur gelingenden Zusammenarbeit mit Eltern hielt. Danach stellte Jeannine Burri, Schulentwicklerin, den Eltern die Haltungen und Vorstellungen der Schule zur Elternmitwirkung vor, welche vorgängig mit der Schulleitung und der Steuergruppe abgeglichen wurden. Im zweiten Teil der Veranstaltung trafen sich die Teilnehmenden in zwei Gruppen zum Austausch des Gehörten, äusserten sich zu ihrer Motivation sich im Elternforum zu engagieren und diskutierten erste Wirkungsfelder.
 

In der Zwischenzeit hat sich eine Kerngruppe und ein erweitertes Team aus Eltern formiert, die sich als Bindeglied zwischen Schule und Elternschaft sehen. Im erweiterten Team kann man niederschwellig dabei sein und sporadisch Aufgaben übernehmen, hat aber weniger Verpflichtungen als ein Mitglied der Kerngruppe. Die Kerngruppe steht im regelmässigen Dialog mit der Schulleitung und der schulischen Steuergruppe, was den Informationsfluss gewährleistet und Partizipation ermöglicht. So hatte die Kerngruppe beispielsweise die Möglichkeit das neue Schuljahresmotto «zäme erläbe» inklusive sozialem Jahresziel (Umgang mit digitalen Medien in der Schule und auf dem Schulalreal) bereits im Frühling (vor dem neuen Schuljahr) kennen zu lernen und gemeinsam wurde überlegt, wie sich die Eltern beteiligen und engagieren können. So hat das Elternforum in enger Zusammenarbeit mit der Schule die Abendveranstaltung «Umgang mit digitalen Medien in der Freizeit» organisiert und die Eltern werden ermuntert, beim Projekt «Flimmerpause» mitzumachen, bei welchem eine Woche lang der Bildschirmkonsum möglichst reduziert oder ganz darauf verzichtet wird. Wenn sich bei diesem «Experiment» sowohl Schule als auch Eltern gemeinsam beteiligen, wird der Effekt noch grösser und die Kinder merken, dass «am gleichen Strick» gezogen wird.

So kann es gelingen

Zusammenarbeit Schule – Eltern

Matchentscheidend ist einerseits das Engagement der involvierten Eltern, aber auch die Haltung der Schulleitung und der Lehrpersonen gegenüber dem Gremium.
 

„Damit Elternmitwirkung erfolgreich ist, braucht es eine wertschätzende Zusammenarbeit zwischen den Eltern und der Schule“, so Anouk König. Idealerweise steht das gesamte Kollegium hinter der Elternmitwirkung und steht für diese ein. Dafür muss auf beiden Seiten Vertrauen geschaffen werden. Wenn die Eltern sich ernst genommen fühlen und die Kommunikation auf gleicher Augenhöhe geschieht, ist das eine ideale Voraussetzung für eine gelingende Zusammenarbeit.
 

Anouk König erwähnt: „Es ist eine langjährige Arbeit, die aufgebaut werden muss. Unsere Türe steht immer offen. Für Eltern, Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler.“  Zudem betont Anouk König, dass die Wünsche der Eltern auch gehört werden sollen und entsprechend etwas gemacht wird. So ist beispielweise bei den Eltern des Isaak Iselin der Wunsch nach einem Angebot im Bereich „Respektvoller Umgang“ aufgekommen. Zusammen mit der Präventionspolizei Basel-Stadt greift das Kollegium der Primarstufe Isaak Iselin das Thema nun regelmässig und stufengerecht auf (vgl. Webseite).

Sensibler Umgang bzgl. Mitwirkung

Aus der Forschung ist bekannt, dass Eltern mit Migrationsgeschichte in institutionalisierten Formen der Zusammenarbeit untervertreten sind. Gründe können sein, dass sich gewisse Eltern eine solche Mitwirkung nicht zutrauen oder mit dem System zu wenig bekannt sind und sich daher nicht als geeignete Vertreterinnen oder Vertreter sehen. Es hat sich bewährt, Eltern mit einer gezielten, direkten Einladung für eine Beteiligung zu gewinnen. So können Eltern, die es sich vielleicht nicht zutrauen würden, in einem solchen Gremium mitzumachen, direkt angesprochen werden und bilateral können Fragen und Unsicherheiten geklärt werden. Wichtig ist jedoch, dass die Eltern selbst entscheiden können, ob sie mitwirken wollen oder nicht und bei den Anfragen sensibel kommuniziert wird.

Zusammensetzung des Gremiums

Ideal wäre, wenn in einem Mitwirkungsgremium die Sprach- und Kulturgruppen aus der Schule möglichst gut vertreten sind. Eine Möglichkeit des Einbezugs von Eltern mit Migrationsgeschichte, die sich die Aufgabe (beispielsweise wegen sprachlichen Hürden) nicht zutrauen, wäre eine Option ein Dreierteam zu bilden: Zwei erfahrenen Elternratsdelegierte können das neue Mitglied in die Arbeit einführen, sodass es die Arbeit im zweiten Jahr selbständig und gestärkt ausführen kann.  Diese Person wird dann, wie oben beschrieben, direkt angesprochen und für eine Teilnahme und Mitwirkung motiviert und unterstützt (z.B. mit Übersetzung). Im Beispiel der Schule Walchwil hat sich die Aufteilung in zwei Gruppen (Kerngruppe und erweitertes Team von Eltern) bewährt. So können sich im erweiterten Team auch Eltern engagieren, die weniger Zeit haben oder sich lieber niederschwellig und weniger exponiert (z.B. bei schriftlichen Umfragen oder grösseren Austauschrunden) beteiligen möchten. Eine Mitwirkung kann sich bei den Beteiligten positiv auswirken. Sie fühlen sich zugehörig, was idealerweise auch die Kinder merken.

Organisation & Aufgabenverteilung

Weitere Erfolgsfaktoren sind klare Strukturen und Zuständigkeiten. Das Elterngremium und die Schulleitung treffen klare Regelungen, wer welche Aufgaben übernimmt und wo auch Grenzen sind. Das Elternmitwirkungsgremium ist weder Kontroll- oder Aufsichtsorgan noch vertreten sie Einzelinteressen der Schule. Oftmals gibt es auch noch politische Gremien (z.B. Schulkommission). Da sind die Aufgaben der beiden Gremien klar abzugrenzen und schriftlich festzuhalten. Auch die Kommunikationswege (ein Beispiel der Schule Walchwil findet sich hier) müssen klar transparent gemacht werden.

Sitzungsführung

Die Sitzungen sollten klar strukturiert sein. Hilfreich kann ein Vorgespräch in einer kleineren Runde (z.B. Leitung der Elternvertretung mit der Schulleitung) sein, bevor Treffen in grösseren Gremien stattfinden.

Kontakt

Schulleitung Primarstufe Isaak Iselin
Anouk König; Mail schicken
Pascal Steiger; Mail schicken
Stefan Beck; Mail schicken

Miriam Aegerter

Dozentin, PH Zug
Mail schicken

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