Alle Kinder und Lehrpersonen erhalten eine Figur und begrüssen sich damit gegenseitig. Wie klingen die Begrüssungen, wenn die Figuren verschiedene Sprachen sprechen?
Dieses einfache Begrüssungsritual ermöglicht die regelmässige Einbindung von mehreren Sprachen im Unterricht.
Mitarbeit Entwicklung: Melinda Kodric, Annika Sirkiä
Text: Dominique Braun
Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:


Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
Fachliche Kompetenzen
Die Umsetzung bewegt sich in den Kompetenzbereichen «Sprechen – Grundfertigkeiten» und «Dialogisches Sprechen». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
D.3.A.1.a: Die Schülerinnen und Schüler können Wörter, Wendungen (z.B. in Fragen, Aussagen, Aufforderung) und Satzmuster in vertrauten Situationen passend verwenden (produktiver Wortschatz).
D.3.C.1.a: Die Schülerinnen und Schüler können die/den Gesprächspartner/in als Gegenüber wahrnehmen und mit ihr/ihm in Kontakt treten.
Überfachliche Kompetenzen
In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den sozialen Kompetenzen im Bereich «Dialog und Kooperationsfähigkeit: Sich mit Menschen austauschen, zusammenarbeiten» arbeiten.
Die Kinder bringen von zu Hause eine Handpuppe, eine Puppe oder ein Stofftier in den Kindergarten/in die Schule mit. Die Lehrpersonen stellen weitere Figuren zur Verfügung.
Jedes Kind stellt seine Figur vor. Die (mehrsprachige) Lehrperson stellt ihre Puppe ebenfalls vor. Diese spricht eine andere Sprache als Deutsch, im vorliegenden Beispiel Finnisch. Die Finnisch sprechende Puppe begrüsst die anderen Figuren der Reihe nach in Finnisch. Wie die Kinder mit ihren Figuren antworten, ist ihnen freigestellt. Vielleicht sprechen auch andere Figuren eine weitere Sprache?
Falls Kinder zusätzliche Sprachen einbringen, wiederholt die gesamte Klasse diese Begrüssungsformel. Falls die Kinder keine oder wenige Sprachen einbringen, können die Lehrpersonen auf ihr eigenes Sprachwissen zurückgreifen oder bringen im Voraus vorbereitete Begrüssungen in verschiedenen Sprachen ein (siehe auch Aspekt «Zeit lassen» weiter unten).
Im Anschluss folgt eine offene Begrüssungsrunde. Die Figuren finden sich zu Paaren und begrüssen sich gegenseitig. Nach der Begrüssung suchen sie sich eine neue Figur. Auch hier wählen die Kinder die Begrüssungssprache selbst und können diese variieren.

Im HSK-Unterricht ist die Ausgangssprache die jeweilige Unterrichtssprache. Da in diesem Setting alle Schülerinnen und Schüler mehrsprachig sind, gelingt es ihnen möglicherweise schneller, sich mit verschiedenen Sprachen einzubringen und auch zwischen verschiedenen Sprachen zu wechseln.
Lehrpersonen nehmen die Begrüssungen in verschiedenen Sprachen auf einen digitalen Vorlesestift auf. Sie versehen dazu jede Sprache mit einem Symbol, z.B. einem spezifischen Schriftzeichen und bringen daneben einen Sticker an. Indem die Kinder mit dem Stift auf den Sticker tippen, können sie die entsprechende Sprache hören.

Im Kindergarten bieten Lehrpersonen die Aufnahmen zusammen mit den Handpuppen im Freispiel an. So können die Kinder die Begrüssungen mit einem kleinen (mehrsprachigen) Theater erweitern.
Möglicherweise freuen sich die Kinder über die Begrüssungen in verschiedenen Sprachen und beteiligen sich ebenfalls mehrsprachig. Vielleicht reagieren sie irritiert und bringen ihre vorhandenen mehrsprachigen Kompetenzen nicht ein. Ein Grund kann sein, dass sie sich nicht gewohnt sind, im schulischen Kontext eine andere Sprache als Deutsch zu sprechen. In solchen Situationen können Lehrpersonen ihre eigenen mehr- und fremdsprachigen Kompetenzen einfliessen lassen. Und sie können den Kindern vor allem Zeit lassen, indem sie das Begrüssungsritual wiederholt einsetzen. Es ist gut möglich, dass sich die Kinder mit der Zeit eher mehrsprachig einbringen und auch neue, ihnen bisher unbekannte Sprachen ausprobieren.
Viele Lehrpersonen greifen auf Flaggen zurück, um die verschiedenen Sprachen symbolisch darzustellen. Flaggen bieten Orientierung, werden der sprachlichen Realität aber nicht gerecht. Im Gegenteil festigen sie die Vorstellung von «Sprache gleich Nation». Viele Sprachen werden aber in verschiedenen Ländern gesprochen und in vielen Ländern existieren mehrere offizielle Landessprachen. Berücksichtigt man zusätzlich die Sprachen, die aufgrund von Migration in einem Land ebenfalls gesprochen werden, verlieren Flaggen erst recht ihre Aussagekraft. Wir empfehlen deshalb möglichst auf Flaggen als Symbol für eine bestimmte Sprache zu verzichten. Entscheiden sich Lehrpersonen dennoch für Flaggensymbole, nutzen sie idealerweise die Gelegenheit, um mit Schülerinnen und Schülern die vielfältige Verbreitung von Sprachen zu thematisieren.
(1) vgl. D-EDK, 2016.
D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.
Dominique Braun
Dozentin, PH Zug
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