Ratespiele bringen frischen Wind in den Schulalltag – sie lockern nicht nur auf, sondern bieten eine Möglichkeit, spielerisch in Unterrichtsthemen einzusteigen. Besonders spannend: Sie lassen sich kreativ und mehrsprachig gestalten!

Text: Milena Bieri
Mitarbeit Entwicklung: Sadiye Bircher
 

Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:

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Lehrplanbereich

Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
 

Fachliche Kompetenzen

Die Umsetzung bewegt sich im Kompetenzbereich «Sprechen». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
 

D.3.A.1.a: Die Schülerinnen und Schüler können Wörter, Wendungen (z.B. in Fragen, Aussagen, Aufforderung) und Satzmuster in vertrauten Situationen passend verwenden (produktiver Wortschatz).
 

D.3.C.1.a: Die Schülerinnen und Schüler können in einer vertrauten, selbstgewählten Sprechrolle an einem Spiel aktiv teilnehmen.
 

Überfachliche Kompetenzen

In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den methodischen Kompetenzen im Bereich «Sprachfähigkeit: Ein breites Repertoire sprachlicher Ausdrucksformen entwickeln»  arbeiten.

Umsetzung

Spielidee "Begriffe vorspielen und erraten":

Die Lehrperson stellt ein mitgebrachtes Waldbuch vor. Gemeinsam betrachtet die Klasse ein Wimmelbild zum Thema Wald, wobei sie besonderes Augenmerk auf die Waldtiere legt. Gemeinsam sammelt die Klasse die Waldtiere in verschiedenen Sprachen.  Zur Einführung des Spiels macht die Lehrperson ein Beispiel in ihrer Erstsprache Türkisch:
«Ich bin ein tavşan», sagt sie und hüpft dabei auf und ab. Die Kinder raten: «Ein Hase!»
 

Anschliessend imitieren die Kinder die Waldtiere und benennen sie in einer Sprache der Wahl. Die anderen Kinder versuchen zu erraten, um welches Tier es sich handelt. Wählt ein Kind Deutsch, stellt es nur das Tier dar, ohne es zu benennen. Ansonsten würde sich das Raten erübrigen.   

Spielidee "Ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist ...":

Eine weitere Möglichkeit für ein mehrsprachiges Ratespiel:  «Ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist …». Die Farben (rot, gelb, orange, violett, grün, blau, braun, grau, schwarz, weiss) werden dabei in verschiedenen Sprachen verwendet. Zu jeder Farbkarte legt die Lehrperson die entsprechenden Begriffe in den Erstsprachen der Kinder. Die Lehrperson modelliert: «Ich sehe etwas, was du nicht siehst, und das ist kahverengi», und zeigt dabei auf die braune Farbkarte. Die Kinder betrachten das Bild und raten: «Ein Reh?»

Die Kinder erweitern das Spiel, indem sie Zahlen in verschiedenen Sprachen verwenden: «Ich sehe etwas, was du nicht siehst, davon gibt es iki (2).» Anschliessend suchen sie Dinge, die zweimal auf dem Bild vorkommen: „Es gibt zwei Hunde – stimmt das?“

Spielidee "Ich sehe etwas, was du nicht siehst. Aufnahme von Sadiye Bircher. Buchcover © Ravensburger Verlag
Spielidee "Ich sehe etwas, was du nicht siehst. Aufnahme von Sadiye Bircher. Buchcover © Ravensburger Verlag

Sprachvergleiche:

Die Einbindung verschiedener Sprachen regt die Kinder zu spontanen Sprachvergleichen an. So stellen sie fest: «Grün heisst auf Italienisch, Spanisch und Portugiesisch «verde»! und auf Türkisch und Albanisch (umgangssprachlich) wird grün unterschiedlich geschrieben (yeşil und jeshile), aber ähnlich ausgesprochen - «yeschil».
 

Dies sind spontane Beobachtungen von Kindern der Klasse. Eine weitere Möglichkeit wäre es, den Sprachvergleich mit Fragen anzuleiten:

  • Was klingt ähnlich?

  • Was klingt ganz anders?

  • Was wird ähnlich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen?

Methodisch-didaktische Überlegungen


Wortschatzarbeit mehrsprachig gestalten und ritualisieren

Mehrsprachige Spiele lassen sich flexibel auf unterschiedliche Unterrichtsthemen anwenden. Wenn Lehrpersonen regelmässig verschiedene Sprachen in den Unterricht einbeziehen, gewinnen die Kinder zunehmend Sicherheit. Dadurch bringen sie ihre mehrsprachigen Ressourcen möglicherweise eher ein und erproben auch neue Sprachen. So entsteht ein natürlicher Umgang mit Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer.

Scaffolds

Sprachliche Unterstützungsstrukturen – sogenannte Scaffolds – helfen den Kindern, ihre Aussagen zu strukturieren und sprachlich zu gestalten. Satzanfänge wie «Ich bin ein …» oder «Ich sehe etwas, was du nicht siehst, und das ist …» bieten Orientierung und fördern die aktive Sprachproduktion. Farben und Zahlen werden im Unterricht visuell dargestellt und zusätzlich in verschiedenen Sprachen bereitgestellt. So können die Kinder bei Bedarf darauf zurückgreifen.

Lehrperson als Modell

Die Lehrperson übernimmt eine zentrale Rolle als sprachliches Vorbild. Sie modelliert den Ablauf der Spiele, nutzt dabei die bereitgestellten Scaffolds und zeigt, wie Sprache kreativ und spielerisch eingesetzt werden kann. Durch das eigene Einbringen von Mehrsprachigkeit – etwa durch Wörter in der eigenen Erstsprache oder durch das Ausprobieren unbekannter Sprachen – vermittelt sie eine offene und lernfreudige Haltung gegenüber sprachlicher Vielfalt.

Sozialer Zugehörigkeit Beachtung schenken

Spiele wie «Ich sehe etwas, was du nicht siehst» bieten eine einfache Möglichkeit, die Mehrsprachigkeit der Kinder aktiv einzubeziehen. Damit sich alle Kinder zugehörig fühlen, ist eine sensible Sprache wichtig: Statt «Wie heisst der Hase in deiner Sprache?» fragt die Lehrperson besser „Wer kennt den Hasen noch in einer anderen Sprache?“ So entsteht kein Gefühl des „Andersseins“. Mehr zum Konzept des Othering finden Sie hier.

Kinder als Expertinnen und Experten einer Sprache

Es kann sein, dass Kinder gerne die Rolle der Sprachexpertin oder des Sprachexperten einnehmen und die anderen Kinder bei der Aussprache unterstützen. Dabei ist es wichtig, dass Lehrpersonen sich bewusst sind: Nicht alle Kinder möchten oder können diese Rolle übernehmen.  

  1. (1) vgl. D-EDK, 2016

Materialien und Links

Farbkarten:

Verwendete Literatur

D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.

Kontakt

Milena Bieri
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PH Zug
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