In dieser Memoryform erhalten immer zwei Kinder denselben Begriff, den sie laut vor sich hersagen. Die Ratenden müssen genau hinhören und die passenden Menschenpaare zusammenbringen. Dies funktioniert auch mehrsprachig.
Text: Dominique Braun
Mitarbeit Entwicklung: Elvirë Sinani
Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:


Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21.(1)
Fachliche Kompetenzen
Die Umsetzung bewegt sich in den Kompetenzbereichen «Hören» und «Hören und Sich-Orientieren». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
D.1.A.1.b Die Schülerinnen und Schüler können Klänge, Geräusche sowie Reime, Silben und einzelne Laute (z.B. Anlaute) heraushören (phonologische Bewusstheit).
MU.2.A.1.a Die Schülerinnen und Schüler können ihre Aufmerksamkeit auf akustische Klangquellen fokussieren.

Die Lehrperson arbeitet mit der Klasse an Lesetexten zur Geschichte «Pippi findet einen ‘Spunk’», die im Wahlmodul des Lehrmittels Deutsch Drei empfohlen wird.(2)
In dieser Geschichte erfindet Pippi das Wort «Spunk» und sucht nach dessen Bedeutung. Sie sucht lange und im ganzen Dorf. Schliesslich findet sie den Spunk in einem Käfer gleich vor ihrem Haus.(3)
An dieser Geschichte knüpft die Lehrperson mit einem mehrsprachigen Menschenmemory an. Dafür wählt sie einzelne Begriffe aus dem Spunk-Text und übersetzt sie in mehrere Sprachen, z.B. glücklich, Freund und suchen. Auf Kärtchen notiert sie in doppelter Ausführung die originale Schreibweise und die lautgetreue Schreibweise, auf der Rückseite die Sprache.
Für das Menschenmemory erhalten immer zwei Kinder denselben Begriff in derselben Sprache. Im vorliegenden Beispiel Deutsch, Albanisch, Türkisch, Holländisch, Afrikaans, Ukrainisch, Polnisch, Hindi, Ungarisch, Russisch. Anhand der lautgetreuen Schrift üben sie den Begriff individuell laut zu lesen. Individuell deshalb, damit nicht klar wird, welche Kinder ein Paar bilden.
Zuerst spielt die Klasse das Spiel im Kreis. Die Lehrperson bestimmt zwei Kinder, die aufstehen und ihren Begriff in der jeweiligen Sprache vorsprechen. Alle anderen überlegen, ob es dieselben Begriffe sind oder ob sie unterschiedlich klingen. Falls es dieselben sind, ist das Paar gefunden, falls nicht, stehen die nächsten beiden Kinder auf. Auf diese Weise versucht die Klasse, alle Wortpaare zu finden.
Bewährt hat sich, wenn alle Kinder denselben Begriff in verschiedenen Sprachen sprechen. So erkennen die Kinder auch ähnlich klingende Begriffe. Alternativ könnten die Kinder verschiedene Begriffe in derselben Sprache sprechen.

Zwei Kinder eines Wortpaares sind die Ratenden. Alle anderen Kinder verteilen sich im Raum und sprechen ihren Begriff wiederholt laut und deutlich aus. Die Ratenden gehen im Raum herum. Sie versuchen herauszuhören, welche Kinder denselben Begriff sprechen. Haben sie ein Paar gefunden, steht dieses nebeneinander und hört auf zu sprechen.
Alternativ schweigen alle Kinder. Sie sprechen den Begriff nur aus, wenn ihnen jemand der Ratenden auf die Schulter tippt.
Einfacher wird das Spiel, wenn zu Beginn nur wenige Paare beteiligt sind.
Inspiriert von Pippi erfinden die Schülerinnen und Schüler eigene Fantasiewörter in einer «neuen» Sprache. Sie können ihr Fantasiewort auch in eine nochmals «neue» Sprache übersetzen. Auch mit diesen Wörtern könnte die Klasse ein Menschenmemory spielen.
Die Schülerinnen und Schüler üben den Text zum Spunk in Zweiergruppen vorzulesen. Jemand ist Pippi, jemand ist Erzählerin oder Erzähler. Die Lehrperson übersetzt die direkte Rede von Pippi in verschiedene Sprachen. Verfügt ein Kind über ausreichend Lesekompetenz in einer anderen Sprache als Deutsch, kann es die direkte Rede in dieser Sprache lesen. Die Kinder können die Rollen in der Mitte des Textes wechseln. Je nach Sprachkompetenzen wechselt dann auch die Sprache von Pippi. Damit die Zuhörerinnen und Zuhörer wissen, wer welche Rolle liest, haben beide ein Requisit. Pippi trägt z.B. eine Perücke mit Zöpfen oder hat den Affen Herrn Nielson dabei. Die Erzählerin oder der Erzähler trägt eine Brille oder legt den Text in ein grosses, dickes Buch, aus dem sie oder er vorliest.
Schliesslich treten alle vor der Klasse auf und erhalten eine Rückmeldung zu Betonung, Geschwindigkeit und Verständlichkeit. Da der Text allen bekannt ist, verstehen auch alle die Sätze in den verschiedenen Sprachen.
Die Erfahrung zeigt, dass sich die Schülerinnen und Schüler besser auf mehrere Sprachen einlassen können, wenn ihnen die verwendeten Methoden bereits bekannt sind. Deshalb lohnt es sich, wenn Lehrpersonen, das Menschenmemory im Regelklassenunterricht zuerst in Deutsch mit der Klasse durchführen. Im HSK-Unterricht führen sie das Menschenmemory in der jeweiligen Erstsprache durch.
Ein Spiel wie das Menschenmemory eignet sich für eine regelmässige Durchführung. Dabei kann die Klasse während längerer Zeit mit denselben Begriffen spielen. Solche kurzen mehrsprachigen Sequenzen tragen dazu bei, dass Mehrsprachigkeit einen selbstverständlichen Platz im Schulalltag erhält.
(1) vgl. D-EDK, 2016
(2) vgl. Baumann Schenker, S. et al., 2024
(3) (vgl. Lindgren, 2019)
Baumann Schenker, S., Lieb, S., Quesel-Bedrich, A., Schmid von Felten, M., Schüpfer, B. & Thürig, J. (2024). Deutsch KG bis Sechs. Handbuch. Zürich: Lehrmittelverlag Zürich (LMVZ).
D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.
Lindgren, A. (2019). Pippi findet einen Spunk. 2. Auflage, überarbeitete Neuauflage. Hamburg: Oetinger.
Dominique Braun
Dozentin, PH Zug
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