Die Schülerinnen und Schüler präsentieren ein selbstgestaltetes Herbstbild anhand vorbereiteter sprachlicher Scaffolds. Sie formulieren kurze beschreibende Sätze und verbessern ihre bildungssprachliche Kompetenzen in der Erstsprache Portugiesisch und in anderen Sprachen. Durch einen Sprachvergleich erweitern sie zusätzlich ihre metasprachlichen Kompetenzen. Die Umsetzung fand im portugiesischen HSK-Unterricht statt.
Mitarbeit Entwicklung: Helena Silva Novais
Text: Milena Bieri
Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:


Diese Umsetzung wurde im HSK-Unterricht für Portugiesisch entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK).(1)
Fachliche Kompetenzen
Die Umsetzung bewegt sich in den Kompetenzbereichen «Sprechen» und «Sprachen im Fokus». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
Die Schülerinnen und Schüler können ihre Sprechmotorik, Artikulation und Stimmführung an-gemessen nutzen. Sie können ihren produktiven Wortschatz und ihre Satzmuster aktivieren, um angemessen flüssig zu sprechen; zunehmend auch in der Standardvariante ihrer Herkunftssprache (2).
Die Schülerinnen und Schüler können sich in monologischen Situationen (Bsp. Referat halten, Gedicht rezitieren, …) angemessen und verständlich ausdrücken (3).
Die Schülerinnen und Schüler können ihr Sprech-, Präsentations- und Gesprächsverhalten reflektieren (4).
Die Schülerinnen und Schüler machen sich anhand geeigneter Frage- und Aufgabestellungen Gedanken zu ihrer Herkunftssprache (z. B. grammatische Geschlechter, Bildung der Plural- und Zeitformen, Dialekte, Geschichte etc.). Dabei helfen Vergleiche mit dem Deutschen und evtl. anderen in der Schule vermittelten oder gesprochenen Sprachen, um Eigenheiten der Herkunftssprache herauszuarbeiten und zu erkennen (Sprachbewusstheit/ language awareness) (5).
Während mehrerer Lektionen beschäftigt sich die Klasse intensiv mit dem Thema Herbst und baut dadurch einen gemeinsamen Wortschatz auf. Die Schülerinnen und Schüler:
sammeln Herbstwörter
hören und besprechen Herbstlieder
betrachten und analysieren Herbstbilder
üben Wortschatz zur Bildbeschreibung (Farben, Objekte, Handlungen, Eigenschaften)
Jedes Kind gestaltet ein eigenes Herbstbild und gibt diesem einen Titel. Anschliessend formulieren die Kinder vier Sätze zu ihrem Bild auf Portugiesisch. z.B.
No outono, os dias tornam-se mais curtos. (Im Herbst werden die Tage kürzer.)
No outono, sopra frequentemente um vento frio. (Im Herbst weht oft ein kalter Wind.)
No outono, as folhas das árvores ficam coloridas. (Im Herbst werden die Blätter der Bäume farbig.)
No outono, o ouriço prepara-se para a hibernação. (Im Herbst bereitet sich der Igel auf den Winterschlaf vor.)


In der nachfolgenden Lektion wählt die Lehrperson pro Bild einen Satz aus und übersetzt ihn ins Deutsche, Englische und Italienische. In Kleingruppen analysieren die Kinder die Sätze und vergleichen verschiedene Sprachen:
«Welche Wörter klingen ähnlich?»
«Was erscheint euch in der Satzstruktur gleich?»
«Könnt ihr anhand einer bekannten Sprache erraten, was das unbekannte Wort auf Italienisch bedeutet?»

Die Kinder machen folgende Beobachtungen:
outono – autunno → «Das klingt ähnlich!»
frequentemente – frequentemente – frequently → «Das ist in allen Sprachen fast gleich.»
hibernação – ibernazione – hibernation → «Das ist genau gleich!»
«Alle Sätze beginnen mit No outono / Im Herbst /In autumn / In autunno.»
«In Deutsch ist das Verb an einer anderen Stelle als bei den anderen Sprachen.»
Für die Bildpräsentation hat die Lehrperson ein Scaffold vorbereitet. Dieses enthält Satzanfänge mit wichtigen Begriffen:
A minha imagem tem o título… (Mein Bild hat den Titel…)
Na imagem, vocês veem… (Auf dem Bild seht ihr…)
Para a minha imagem, escolhi estas cores… (Ich habe für mein Bild diese Farben gewählt:…)
Gosto especialmente da minha imagem porque… (An meinem Bild gefällt mir besonders, dass…)
Vor der Übungsphase bespricht die Lehrperson die Präsentationskriterien mit der Klasse. Die Kinder geben sich jeweils Rückmeldung zu den besprochenen Kriterien:
Ich spreche klar und deutlich.
Ich halte Augenkontakt zu meinem Publikum.
Ich nenne den Titel meines Bildes.
Ich erzähle, was man auf dem Bild sehen kann.
Ich erwähne, welche Farben ich ausgewählt habe.
Ich erzähle, was mir an meinem Bild besonders gefällt.
Für die Bildpräsentation wählen die Kinder die Sprache frei. Sie präsentieren auf Portugiesisch Deutsch oder kombinieren mehrere Sprachen. Das bedeutet, dass sie einzelne Satzteile oder Begriffe in unterschiedlichen Sprachen vortragen, sofern dies dem flüssigen Sprechen dient. Die Lehrperson unterstützt sie mit passenden Scaffolds in den entsprechenden Sprachen.
Nach dieser intensiven Übungsphase präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Bilder im Plenum und geben sich gegenseitig Feedback.
In Regelklassen kann eine Bildpräsentation gut mehrsprachig durchgeführt werden. Um die Kinder zu unterstützen, weisen Lehrpersonen darauf hin, dass Präsentationen oder einzelne Elemente auch in den Erstsprachen gehalten werden können. Unterstützend wirken:
mehrsprachige Wortlisten zur Bildbeschreibung
Satzanfänge in den gewünschten Sprachen
Bildkarten mit Begriffen in mehreren Sprachen
digitale Hörstifte (z.B. Anybook)
Rätselpräsentation: Ein Kind beschreibt sein Bild, ohne darauf zu zeigen. Die anderen erraten das Bild.
Mini-Dialog zur Bildbeschreibung: Statt einer Einzelpräsentation führen zwei Kinder einen kurzen Dialog:
A: «Was siehst du auf meinem Bild?»
B: «Ich sehe …»
A: «Welche Farben findest du?»
B: «Ich sehe …»
Für Präsentationen helfen Schlüsselwörter und Satzanfänge in verschiedenen Sprachen. Zusätzlich unterstützen Scaffolds zur Struktur der Präsentation die Lernenden, indem sie den Ablauf klären (z.B. zuerst sich selbst vorstellen, dann das Bild benennen und beschreiben, was darauf zu sehen ist). Die Lehrperson stellt Satzanfänge, Wortlisten, Strukturhilfen und Bildmaterial bereit. Die Erstellung solcher Materialien erfordert einen hohen Aufwand, kann aber Unterstützung durch HSK-Lehrpersonen, Eltern oder Übersetzungstools erfahren.
Damit die Schülerinnen und Schüler ihre Bildpräsentation gezielt vorbereiten können, legt die Lehrperson gemeinsam mit ihnen fest, worauf sie beim Präsentieren achten sollen. Dazu gehören, klar und deutlich zu sprechen, den Bildtitel zu nennen und zentrale Bildelemente verständlich zu beschreiben. Auch der Blickkontakt zu den Zuhörerinnen und Zuhörern gehört zu den Kriterien. Die Kriterien dienen den Kindern als Orientierung beim Üben und bilden gleichzeitig die Grundlage für Rückmeldungen untereinander oder auch für formative Rückmeldungen durch die Lehrperson. Auch hier unterstützen sie Satzanfänge, um Beobachtungen strukturiert und verständlich zu formulieren.
Die Lernenden erhalten mehrere Gelegenheiten, ihre Präsentation zu üben – zunächst individuell, danach in Partnerarbeit. Durch das wiederholte Üben und das gegenseitige Feedback gewinnen die Kinder an Sicherheit und erweitern ihre Auftrittskompetenz
(1) vgl. Bildungsdirektion Kanton Zürich, 2023
(2) ebd., S. 13f.
(3) vgl. ebd., S. 13.
(4) vgl. ebd., S. 13.
(5) vgl. ebd., S. 14.
Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt. (2023). Rahmenlehrplan für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK). Mit Erläuterungen zu den Rahmenbedingungen des Unterrichts. Verfügbar unter: https://hsk-info.ch/images/Dokumente%20zum%20Download/rahmenlehrplan_hsk_de_neu11.pdf Zugriff am 07. Juli 2025.
Milena Bieri
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PH Zug
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