Mit einer Handpuppe lernen die Kinder wie verschiedene Körperteile in verschiedenen Sprachen heissen. Anhand einer einfachen Melodie begrüssen die Kinder die Körperteile, ebenfalls mehrsprachig. Dadurch lernen sie auch das Redemittel «Guten Tag» in verschiedenen Sprachen kennen.

Mitarbeit Entwicklung: Melinda Kodric, Annika Sirkiä
Text:
Dominique Braun
 

Die Entwicklung dieser Umsetzung wurde vom Bundesamt für Kultur (EDI) unterstützt:

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Lehrplanbereich

Diese Umsetzung wurde im Regelklassenunterricht entwickelt. Deshalb beziehen sich die angegebenen Kompetenzen auf den Lehrplan 21. (1)
 

Entwicklungsorientierte Zugänge
In Bezug auf die entwicklungsorientierten Zugänge bewegt sich die Umsetzung im Bereich «Sprache und Kommunikation»: Die Kinder finden musikalisch, gestaltend und in Bewegung weitere Ausdrucksformen.

Fachliche Kompetenzen 

Die Umsetzung bewegt sich im Kompetenzbereich «Singen und Sprechen». An folgenden Kompetenzen kann eine Lehrperson mit ihrer Klasse arbeiten:
 

MU.1.B.1.1a: Die Schülerinnen und Schüler können ihre Singstimme wahrnehmen, variieren und spielerisch erkunden.
 

MU.1.B.1.1d: Die Schülerinnen und Schüler können kurze ein- bis zweitaktige Tonfolgen memorieren und singen.

Überfachliche Kompetenzen

In Bezug auf die überfachlichen Kompetenzen können Lehrpersonen zu den sozialen Kompetenzen im Bereich «Respektvoller Umgang: Vielfalt als Bereicherung erfahren, Gleichberechtigung mittragen» arbeiten.

Umsetzung

Vorbereitende Aktivitäten:

Eine Handpuppe liegt unter einem Tuch. Die Kinder greifen unter das Tuch und beschreiben, was sie gespürt haben. Stück für Stück kommt die Handpuppe zum Vorschein. Gemeinsam gibt die Klasse der Handpuppe einen Namen.

Handpuppe Sophia. Aufnahme Melinda Kodric
Handpuppe Sophia. Aufnahme Melinda Kodric

Hauptteil:

Um sich selbst zu wecken, führt die Handpuppe verschiedene Bewegungen aus wie sich strecken, gähnen, sich schütteln etc. Die Kinder ahmen die Bewegungen nach. Geführt von der Lehrperson und später von den Kindern zeigt die Handpuppe auf verschiedene Körperteile. Die Kinder berühren jeweils den eigenen entsprechenden Körperteil.
 

Nach der eher pantomimischen Einführung kommt die Sprache ins Spiel. Die Handpuppe zeigt auf einen Körperteil, z.B. den Kopf und jeweils ein Kind benennt diesen in Deutsch. Anhand einer einfachen Melodie begrüssen Lehrpersonen und Kinder den Kopf und streichen gleichzeitig über ihren eigenen Kopf (vgl. Melodie unten).
 

Dann fragen die Lehrpersonen, wie der Kopf in weiteren Sprachen heisst. Jede Sprache nehmen sie in die melodische Begrüssung auf. Je nach Sprache passen sie den Rhythmus etwas an.

Kopf der Handpuppe und dazugehörende Melodie sowie Sätze. Aufnahme Melinda Kodric
Kopf der Handpuppe und dazugehörende Melodie sowie Sätze. Aufnahme Melinda Kodric
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Mit den nächsten Körperteilen geht es gleichermassen weiter. Damit es spannend bleibt, machen die Lehrpersonen verschiedene Vorgaben. Einmal singen alle die Melodie langsam, dann schnell. Einmal variieren sie zwischen laut und leise oder sie machen kleine bzw. grosse Bewegungen.

Für HSK-Unterricht

Im HSK-Unterricht geht die Lehrperson von der jeweiligen Unterrichtssprache aus und erweitert das Lied dann mit weiteren Sprachen. Dabei wählt sie insbesondere diejenigen Sprachen aus, die die Schülerinnen und Schüler auch noch sprechen oder für die sie sich besonders interessieren.

Varianten

Sind bereits mehrere Körperteile eingeführt, liegen Karten davon verdeckt im Kreis. Ein Kind dreht eine Karte um und die Klasse begrüsst melodisch den abgebildeten Körperteil.
 

In einer anderen Variante spielen die Kinder in Zweiergruppen. Sie ziehen eine Körperteil-Karte und versuchen Begriffe in möglichst vielen verschiedenen Sprachen zu nennen. Bespricht die Lehrperson die Körperteil-Karten mit Hilfe eines Anybook-Readers in mehreren Sprachen, kann sie diese Variante auch als Freispiel-Angebot integrieren.

Auch geeignet für

Adaption für weitere Themen

Einfache Melodien können auch mit Sätzen oder Begriffen aus anderen Themen gebildet werden, z.B. «Es gibt Znüni. Guten Appetit.», Aufzählung von Wochentagen oder Jahreszeiten.  Dadurch eignen sie sich gut als Einstimmung für den Einstieg in eine mehrsprachige Sequenz.

Sprachvergleiche

Die beschriebenen Sätze eigenen sehr gut für Sprachvergleiche, weil sie kurz sind. Dadurch können die Schülerinnen und Schüler relativ einfach Parallelen zwischen den Begriffen und der grammatikalischen Struktur ziehen. Gemeinsam denken sie über die Begrüssungen und Körperteile nach, z.B.:
 

  • Wo sind Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Begriffen vorhanden?

  • Wie viele Wörter enthält der Satz in den verschiedenen Sprachen?

  • In welchen Sprachen besteht «Guten Morgen» aus zwei Begriffen, in welchen aus einem?

  • Für ältere Schülerinnen und Schüler: In welchen Sprachen steht das Possessivpronomen für sich, in welchen integriert im Nomen?

Methodisch-didaktische Überlegungen


Arbeit mit der Handpuppe

Die Erfahrung zeigt, dass die Handpuppe den Kindern Sicherheit vermitteln kann. Die Puppe weiss nicht alles und spricht nicht alle Sprachen perfekt. Das kann die Kinder motivieren, sich mehrsprachig einzubringen. Manchmal ist die Puppe auch auf die Hilfe der Kinder angewiesen. Das kann ihnen Selbstvertrauen geben. Die Puppe muss dabei darauf achten, dass sich die Kinder freiwillig und von sich aus mit ihren Sprachkompetenzen einbringen können (vgl. nächster Punkt).

Freiwillige, mehrsprachige Beteiligung

Die Lehrpersonen stellen die Frage nach weiteren Sprachen offen: «Wie benennt man den Kopf in weiteren Sprachen?» Dadurch lassen sie die Kinder freiwillig entscheiden, inwiefern sie sich mit ihren mehrsprachigen Kompetenzen einbringen möchten. Dies ist wichtig, um «Othering» zu vermeiden. «Othering» bedeutet, dass eine Wir-Gruppe und eine Gruppe der anderen geschaffen wird. Die Wir-Gruppe entspricht dabei der Normalität. Die Gruppe der anderen weicht von dieser Normalität ab (2) vgl. auch Hintergrundinformationen – Was kann ich besonders beachten?). «Othering» erfolgt z.B., wenn Lehrpersonen fragen: «Wie heisst das in deiner Sprache.» Dadurch wird ein Kind exponiert. Zudem wird seine Zugehörigkeit zur Deutsch sprechenden Gruppe in Frage gestellt.  Aus demselben Grund bittet auch die Handpuppe allgemein um Hilfe und spricht nicht ein Kind direkt an (vgl. oben).

Einbezug möglichst vieler Sprachen

Die Begrüssung der Körperteile in verschiedenen Sprachen und passend zur Melodie bereiten die Lehrpersonen vor. Dabei berücksichtigen sie alle Sprachen, die die Schülerinnen und Schüler zur Hauptsache sprechen. Dies ist wichtig, um gesellschaftliche Sprachhierarchien in der Schule nicht zu reproduzieren (vgl. Hintergrundinformationen – Was kann ich besonders beachten?).  Je nach Klasse ist dies sehr anspruchsvoll. Unterstützung bieten, können HSK-Lehrpersonen, mehrsprachige Kolleginnen und Kollegen aus dem Team, Eltern oder technische Hilfsmittel.

  1. (1) vgl. D-EDK, 2016
    (2) vgl. z.B. Mantel et al., 2019, S. 54ff.; Riegel, 2016, S. 8

Materialien und Links

Einfache Melodie mit Beispieltext in verschiedenen Sprachen zu Kopf.

Verwendete Literatur

D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz). (2016). Lehrplan 21. Verfügbar unter https://www.lehrplan21.ch/ Zugriff am 7. Juli 2025.

Mantel, C., Aepli, M., Büzberger, M., Dober, H., Hubli, J., Krummenacher, J., Müller, A. & Puškarić, J. (2019). Auf den zweiten Blick. Eine Sammlung von Fällen aus dem Schulalltag zum Umgang mit migrationsbezogener Vielfalt. Bern: hep.
 

Riegel, C. (2016). Bildung - Intersektionalität - Othering. Pädagogisches Handeln in widersprüchlichen Verhältnissen. Bielefeld: transcript Verlag.

Kontakt

Dominique Braun
Dozentin, PH Zug
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